Ärzte Zeitung, 16.02.2006

Bei Endometriose kann Op Fertilität erhöhen

Je nach Schwere der Erkrankung sind Hormontherapien sinnvoll / Hormone auch zur Rezidivprophylaxe nach Op

HAMBURG (nke). Die Therapie bei Endometriose ist genauso vielschichtig wie die Erkrankung selbst. Sie reicht von Abwarten mit Beobachten, über Schmerz- und Hormontherapie bis hin zu minimal-invasiven Eingriffen und radikalen Operationen. Im Einzelfall richtet sich die Behandlung nach der Lokalisation der Krankheitsherde, dem Beschwerdebild, dem Alter der Patientinnen und danach, ob ein Kinderwunsch besteht.

Die Erscheinungsformen der Endometriose sind so verschieden, daß man eigentlich von Endometriosen sprechen müßte, so Professor Andreas D. Ebert, der das am Vivantes Humboldt Klinikum Berlin angesiedelte Endometriosezentrum leitet.

Die Endometriose, also das Vorhandensein von endometriumähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter, sei eine zwar gutartige, aber zum Teil sehr belastende chronische Erkrankung. "Es ist nicht normal, wenn die Regelblutung zu Bettlägerigkeit und Schmerzmittelmißbrauch führt", betonte der Berliner Experte beim 7. Hamburger Gynäkologentag.

Eine solche Störung müsse diagnostisch abgeklärt werden. Gynäkologische Untersuchungen und Ultraschall könnten den Verdacht auf eine Endometriose erhärten, für den Nachweis aber sei eine Bauchspiegelung mit Gewebe-Entnahme notwendig.

Dieser Eingriff sollte möglichst in einer Klinik erfolgen, in der Experten für Endometriose arbeiten. Die histologische Sicherung der Diagnose ist immer notwendig, so Ebert. Sie werde auch von den gesetzlichen Krankenkassen gefordert.

Als wichtigste Behandlungsmethode gilt die Sanierung der Endometrioseherde durch Laparoskopie oder Bauchschnitt oder durch eine Operation von der Scheide her. Auch Endometriose-Zysten an den Eierstöcken könne man organerhaltend entfernen. Bei der Operation sollten möglichst alle sichtbaren Endometriose-Herde beseitigt werden, weil dies eine dauerhafte oder zumindest langfristige Beschwerdefreiheit ermögliche.

Bei Patientinnen mit Ovarial-Endometriose rät Ebert von einer Punktion oder Koagulation der Herde wegen der hohen Rezidivrate von 98 Prozent ab. Die operative Sanierung sei vor allem bei Frauen mit Kinderwunsch sinnvoll. Denn anders als die rein medikamentöse Therapie könne ein operativer Eingriff die Fertilität verbessern.

Häufig wird die Operation - sofern kein Kinderwunsch besteht - mit einer medikamentösen Nachbehandlung in Form einer Hormontherapie kombiniert. Dies kann die Zeit bis zum Auftreten eines Rezidivs verlängern und vor allem auch die Befindlichkeit der Patientinnen weiter verbessern, so Ebert. Die am meisten verwendeten Präparate in der Praxis seien Gestagene und die "Pille".

Die Hormonpräparate sollten durchgehend über drei bis sechs Monate gegeben werden. Eine weitere Option ist die Einnahme von GnRH-Analoga. GnRH steht für Gonadotropin Releasing Hormon, das wesentlich an der Steuerung des weiblichen Zyklus beteiligt ist. Analoga besetzen die gleichen Rezeptoren wie die natürlichen Moleküle und unterdrücken somit die Produktion bestimmter Hormone. Da GnRH-Analoga zu den typischen Wechseljahrsbeschwerden und Knochenmasseverlust führten, sollten zusätzlich Östrogene substituiert werden.

STICHWORT

Endometriose

Unter einer Endometriose versteht man das Vorkommen von endometriumähnlichem Gewebe außerhalb der physiologischen Schleimhautauskleidung der Uterushöhle. Dieses Gewebe ist ähnlichen zyklischen Veränderungen unterworfen wie das Endometrium selbst. Die Ätiologie der Erkrankung ist bisher jedoch noch nicht genau geklärt. Diskutiert werden zum Beispiel die Verschleppung und die Implantation von menstruell abgestoßenem Endometrium. Die Erkrankung tritt hauptsächlich bei Frauen im gebärfähigen Alter auf und bildet sich nach der Menopause meist zurück. Äußern kann sich die Endometriose in chronischen Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhö, Dyspareunie oder Sterilität.

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