Ärzte Zeitung, 21.12.2005

Sind Erwachsene impulsiv und unruhig, kann es ADHS sein

Jeder Dritte mit ADHS in der Kindheit ist noch als Erwachsener betroffen / Optionen sind Medikamente und Verhaltenstherapie

FRANKFURT AM MAIN (ddp.vwd). Haben Erwachsene einen Hang zum Chaos oder fehlt im Leben die Ordnung, kann eine Aufmerksamkeitsdefizits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) vorliegen.

"Es ist belegt, daß etwa 30 Prozent der Jugendlichen, die seit ihrer Kindheit ADHS haben, auch als Erwachsene noch betroffen sind", so der Neurologe Professor Jürgen Fritze aus Frankfurt am Main. Unbehandelte Erwachsene müßten mit gravierenden Folgen leben. Viele seien deutlich weniger erfolgreich, als sie von der Intelligenz her sein könnten.

Die Symptome bei Erwachsenen unterscheiden sich oft von denen der jungen Patienten. Bei Erwachsenen sind etwa Symptome wie ein ständig wippender Fuß, unkontrolliertes Trommeln mit den Fingern auf der Tischplatte und eine hohe Impulsivität charakteristisch.

    Erwachsene mit ADHS haben schlechte Chancen im Beruf.
   

Außerdem falle es ihnen schwer, Gesprächen dauerhaft zu folgen. Dazu komme oft ein erhebliches Gefühl der Leere. Von ADHS Betroffene wechseln häufig ihre Partner und die Arbeitsstellen. Bei schweren Ausprägungen neigten Erwachsene mit ADHS zu Gewalt, seien stark auffällig im Straßenverkehr und entwickelten kriminelle Energie.

Doch gerade wegen der vielfältigen Symptome ist die Diagnose von ADHS schwierig. Äußern Patienten das Gefühl, unaufmerksam, impulsiv und innerlich unruhig zu sein, sollten die behandelnden Ärzte immer auch an ADHS denken.

Der Auslöser für das Syndrom liegt in den Genen. Bei Verwandten ersten Grades von Betroffenen sei das Risiko einer Erkrankung drei- bis fünffach erhöht, so Fritze. Vollständig heilbar sei ADHS nicht. Mit einer Therapie können jedoch die Symptome vermindert werden.

Die Behandlung baut in der Regel auf einer Kombination aus Medikamenten und einer Verhaltenstherapie auf. Ein wesentliches Element der Verhaltenstherapie ist es zu lernen, sich besser zu konzentrieren. Aber auch das Umfeld muß ADHS verstehen. Deshalb würden Partner und Familie oft in die Therapie mit einbezogen.

Bei der medikamentösen Behandlung Erwachsener werde wie bei Kindern auf den Wirkstoff Methylphenidat gesetzt. Dieser verbessere die Konzentrationsfähigkeit.

Außerdem bewirke das Medikament, daß auf Dauer das impulsive und überaktive Verhalten verlernt werde. Methylphenidat ist in Deutschland allerdings nicht für die Behandlung von Erwachsenen mit ADHS zugelassen.

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