Ärzte Zeitung, 19.10.2004

Enkephalinase-Hemmer stoppt Durchfall bei Kindern

Hypersekretion von Wasser und Elektrolyten im Darm sinkt / Kinder erholen sich nach Studienergebnissen im Schnitt nach einem Tag

FRANKFURT AM MAIN (hsr). Akute wässrige Durchfälle bei über drei Monate alten Säuglingen und Kindern stoppt der Enkephalinase-Hemmer Racecadotril schnell und zuverlässig. Die Stuhlausscheidung nimmt im Vergleich zu Placebo signifikant ab, die Menge an nötiger oraler Rehydratationslösung wird reduziert, die Patienten erholen sich rasch.

Diese Ergebnisse randomisierter, Placebo-kontrollierter Doppelblindstudien hat Dr. Monika Hedding-Eckerich aus Alsdorf bei einer Veranstaltung zur Einführung des Antidiarrhoikums Racecadotril (Tiorfan®) in Frankfurt am Main vorgestellt.

Nach Frankreich und Spanien ist die Substanz, wie bereits kurz gemeldet, als 10 mg- und 30 mg-Granulat zur Herstellung einer Suspension nun auch in Deutschland zur ergänzenden symptomatischen Therapie von über drei Monate alten Säuglingen und Kindern mit akuter Diarrhoe zugelassen und verfügbar.

Säuglinge und Kleinkinder mit Diarrhoen, die bei unter Zweijährigen in über 90 Prozent von Rotaviren verursacht werden, seien durch hohen Flüssigkeitsverlust besonders gefährdet, sagte Hedding-Eckerich auf der Veranstaltung des Unternehmens Trommsdorff. Davor schützt nach ihren Angaben das neue Antisekrolytikum: Die Substanz hemmt das Enzym Enkephalinase, verringert so den Abbau von Enkephalinen in der Darmwand, die Hypersekretion von Wasser und Elektrolyten sinkt, das Gleichgewicht zwischen Resorption und Sekretion wird wieder hergestellt.

Als Beleg für die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Antidiarrhoikums nannte Hedding-Eckerich unter anderem eine Studie mit 135 zwischen drei und 35 Monaten alten, an Durchfällen erkrankten Jungen. Zusätzlich zu oralen Rehydratationslösungen erhielten die Kinder achtstündlich 1,5 mg Racecadotril pro Kilogramm Körpergewicht oder Placebo.

Innerhalb von 48 Stunden war die Stuhlausscheidung in der Verum-Gruppe um 46 Prozent geringer als als bei Placebo. Die Durchfälle in der Verumgruppe dauerten bei den Rotavirus-positiven und -negativen Jungen gleichermaßen 28 Stunden, in der Placebo-Gruppe 72 und 52 Stunden.

Dementsprechend schnell erholten sich die Kinder mit dem Wirkstoff nach einem Tag, mit Placebo - je nachdem, ob sie eine Infektion mit Rotaviren hatten oder nicht - in zwei oder drei Tagen. Die Heilungsrate nach fünf Tagen lag mit dem Antidiarrhoikum bei 84 und mit Placebo bei 66 Prozent.

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