Ärzte Zeitung, 07.07.2006

Kinder von Rauchern sind vermehrt Keimträger

Untersuchung auf Pneumokokken in Nase und Rachen / Erklärung für erhöhte Rate von Atemwegsinfekten

BEER SHEVA (eis). Kinder rauchender Eltern haben besonders häufig Pneumokokken auf der Schleimhaut von Nase und Rachen. Das hat jetzt eine Studie ergeben. Zwar ist eine solche Besiedlung nicht unbedingt pathogen, eine weitere Ausbreitung der Keime könnte jedoch vermehrt zu Infektionen wie Bronchitis und Otitis media führen.

In der Studie wurden von 208 Kindern im Alter bis fünf Jahre und von ihren Müttern nasopharyngeale und oropharyngeale Abstriche auf Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae untersucht.

Das berichten Forscher um Dr. David Greenberg von der Ben-Gurion-Universität in Beer-Sheva in Israel (Clin Inf Dis 42, 2006, 942 und 904). Bei 115 der Kinder rauchte zumindest ein Elternteil.

Ergebnisse: Keine Unterschiede zwischen den Gruppen gab es bei der Besiedlung mit H. influenzae. Bei Pneumokokken hingegen waren 76 Prozent der Kinder von Rauchern Träger im Vergleich zu 60 Prozent der Kinder nichtrauchender Eltern.

    Passivrauchen erhöht das Risiko für Otitis media.
   

Bei 49 Prozent der Raucher-Kinder wurden Pneumokokken-Typen gefunden, gegen die der siebenvalente konjugierte Impfstoff schützt (Prevenar®), bei den Kindern von Nichtrauchern waren es 30 Prozent.

Bei zwölf Prozent der nichtrauchenden Mütter wurden Pneumokokken isoliert im Vergleich zu 32 Prozent bei rauchenden Müttern. Unter nichtrauchenden Müttern mit rauchendem Partner waren 15 Prozent Träger.

Nach Ansicht der Forscher ist die Besiedlung und Verbreitung von Pneumokokken im Nasen-Rachenraum bei Raucher-Kindern der erste Schritt für eine erhöhte Rate von Infektionen mit den Keimen.

"Passivrauchen bei Kindern erhöht das Risiko für Atemwegsinfekte einschließlich Otitis media, Pneumonie, Bronchitits und Meningitis", kommentiert Dr. Timothy Murphy von der Universität von Buffalo im US-Staat New York die Studie. Ärzte sollten Eltern daher einschärfen, nicht in Gegenwart von Kindern zu rauchen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »