Direkt zum Inhaltsbereich

Pathologen sehen sich nicht mehr als Kellerkinder

Pathologen wollen nicht länger als Hiwis von Krimikommissaren gelten. Schließlich stellen sie jede Krebsdiagnose im Land.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Ein Verstorbener vor der Obduktion. Mit der Zahl der Obduktionen steige die Qualität der Diagnosen, sagen Pathologen.

Ein Verstorbener vor der Obduktion. Mit der Zahl der Obduktionen steige die Qualität der Diagnosen, sagen Pathologen.

© Killig / momentphoto / imago

BERLIN. Eine Aufwertung der Tumorzentren im Verhältnis zu den Organkrebszentren hat Professor Werner Schlake, Vorsitzender des Bundesverbandes der Pathologen, angeregt.

Die Organkrebszentren schafften Redundanzen, die sich in den darüber angesiedelten Tumorzentren auflösen ließen, sagte Schlake anlässlich des Bundeskongresses Pathologie in Berlin. So betreibe jedes Organkrebszentrum ein eigenes Qualitätsmanagement, was die Arbeit der Pathologen stark bürokratisiere.

Hintergrund des Vorstoßes der Pathologen ist die Entwicklung, die die Berufsgruppe genommen hat. Von einem stillen Zuarbeiter habe sich der Pathologe zu einem zentralen und unverzichtbaren Partner der Krebszentren gemausert. "Jede der rund 400.000 Krebsdiagnosen im Jahr wird von einem Pathologen gestellt", sagte Schlake.

Wie die Radiologen gehörten auch die Pathologen zu den unverzichtbaren Teilnehmern an den für die Zentren vorgeschriebenen Tumorkonferenzen. Dadurch entwickele sich das Tumorzentrum zu einem "virtuellen Gesamtarzt", der mehr als die Summe von Organkrebszentren sei.

Da längst nicht mehr in jedem Krankenhaus ein Pathologe tätig sei, erfolgten viele Tumorkonferenzen inzwischen über das Internet. Befunde und Bilder ließen sich jeweils für alle Teilnehmer der Konferenz sichtbar einspielen.

Schlake warnte die Krankenhäuser davor, das Outsourcing von Pathologien weiter zu treiben. Schon heute seien von den 1200 Pathologen in Deutschland rund die Hälfte niedergelassen.

Kritik übte Schlake an Restriktionen, die manche Länder den Organkrebszentren auferlegten. So dürfe in Nordrhein-Westfalen jeweils nur ein Pathologe je Zentrum tätig werden. "Das zerstört gewachsene Strukturen und grenzt an ein Berufsverbot", sagte Schlake.

Die Konkurrenz unter den Zertifizierern hält Schlake für kontraproduktiv. Krebszentren werden von den Ärztekammern als auch von OnkoZert, einem Institut, das im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft arbeitet, zertifiziert. Weil es sich dabei um eine hoheitliche Aufgabe handele, seien die Kammern dafür geeigneter, sagte Schlake.

Rückenwind forderte Schlake zudem für die Obduktion. Die geringen Sektionsquoten seien ein medizinisches Problem.

Neueren Erkenntnissen zufolge stiegen die diagnostischen Fähigkeiten der Ärzte mit der Zahl der Obduktionen. Die Klärung der Todesursachen sei aus medizinischer Sicht ein wichtiges Mittel der Qualitätssicherung in den Krankenhäusern.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Vergleich mit anderen Ländern

Hautkrebs-Screening in Deutschland laut Studie ohne klaren Nutzen

Galenus-Kandidat 2026

Erste systemische Therapie tenosynovialer Riesenzelltumoren

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

© LASZLO / stock.adobe.com

Neu diagnostiziertes Multiples Myelom

Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

GeriPAIN-Leitlinie

Welche Schmerztherapien eignen sich für geriatrische Patienten?

Lesetipps
Impfheft mit COVID-19-Impfung

© RRF - stock.adobe.com

Robert Koch-Institut

STIKO lockert Impfempfehlungen gegen COVID-19

Eine Ärztin im Gespräch mit einer Patientin.

© HockleyM1 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Kollegin gibt Tipps

So gelingt eine gute Arzt-Patienten-Beziehung

Cornelia Hösemann

© Porträt: privat | Spritze: Fied

Sie fragen – Experten antworten

Ist eine Impfung gegen HPV auch bei Frauen über 50 noch sinnvoll?