Ärzte Zeitung, 08.11.2004

Mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurblut

Bei Transplantationen werden nur schwache Abstoßungsreaktionen erwartet / Zellkultur-Bedingungen optimiert

BERLIN (gvg). Nabelschnurblut (NSB) ist eine Stammzellquelle, deren klinischer Nutzen bisher begrenzt ist: Die Zahl der gewonnenen Zellen ist oft zu gering. Transfusionsmediziner aus Baden-Württemberg wollen die Quote jetzt verbessern, indem sie zusätzlich mesenchymale Stammzellen aus dem NSB isolieren.

Hämatopoetische Stammzellen für künftige Zelltherapien schon bei der Geburt aus Nabelschnurblut zu gewinnen, ist ein einleuchtendes Konzept. "Es kommt seltener zu akuten Abstoßungsreaktionen, wahrscheinlich weil im Nabelschnurblut noch nicht alle Immunmerkmale voll ausgebildet sind", sagte Professor Harald Klüter vom Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes in Mannheim.

Auf einer Veranstaltung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zum Thema Biotechnik in Berlin nannte Klüter jedoch auch das Hauptproblem von Nabelschnurblut als Quelle für blutbildende Stammzellen: "Der Zellgehalt ist oft so gering, daß viele Nabelschnurpräparationen nur für Empfänger bis zu einem Körpergewicht von 30 Kilogramm nutzbar sind."

Zwar sei es möglich, die gewonnen Stammzellen in vitro zu vermehren, doch komme es dabei zu einer Reifung der Zellen, die dadurch an Differenzierungsfähigkeit einbüßten. Ein Ausweg aus dem Dilemma könnte die Ko-Transplantation sein, bei der nicht nur hämatopoetische, sondern auch mesenchymale Stammzellen (MSC) auf den Empfänger übertragen werden.

"Wir konnten jetzt zeigen, daß wir MSC-ähnliche Zellen aus Nabelschnurblut gewinnen können", wie Klüter in Berlin berichtete (Stem Cells 22/4, 2004, 625). Das war bisher problematisch, doch Klüter und seine Kollegen scheinen jetzt die Zellkulturbedingungen so optimiert zu haben, daß die "Ernte" größer geworden ist.

"Wir wollen nun herausfinden, ob die gleichzeitige Verabreichung von MSC mit teilungsfähigen, hämatopoetischen Stammzellen bei der Knochenmark-Transplantation das Anwachsen der Zellen verbessert und damit die Zahl der nötigen, blutbildenden Stammzellen verringert", so Klüter in Berlin. Gelingt das, dann könnte eine standardmäßige Konservierung von Nabelschnurblut bei der Geburt in Zukunft tatsächlich sinnvoll sein.

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