Ärzte Zeitung, 14.01.2005

Läßt sich reproduktives Klonen schon im Ansatz verhindern?

Forscher versuchen, embryonale Stammzellen zu gewinnen, ohne lebensfähige Embryonen zu erzeugen / Stammzellen werden zu Oozyten

HANNOVER (grue). Die Forschung mit menschlichen embryonalen Zellen wird in Deutschland bekanntlich streng kontrolliert, weil diese Zellen den Beginn des Lebens markieren. Wissenschaftler suchen deshalb nach Möglichkeiten, das reproduktive Potential der Stammzellen einzuschränken.

Pluripotente Stammzellen sind für eine mögliche Therapie ein begehrtes Ausgangsmaterial, weil sie nahezu jede Zellart nachliefern können. Allerdings besitzen Menschen solche Universal-Zellen nur bis zum siebten Tag ihrer Embryonalentwicklung, danach beginnt die Differenzierung. Behelfsweise wird deshalb auf in der Zellkultur etablierte embryonale Stammzellen (ESZ) zurückgegriffen, die von pluripotenten Zellen menschlicher Blastozysten stammen. Diese ESZ können aber nach einer Transplantation Tumoren erzeugen oder werden vom Körper als fremd erkannt und abgestoßen.

Das ist jedoch nicht das einzige Problem, mit dem sich Stammzellforscher derzeit konfrontiert sehen: Zur Gewinnung von ESZ-Linien müssen Embryonen verwendet werden. Doch dies ist nicht mit dem Embryonenschutzgesetz zu vereinbaren. Wie man aus diesem Dilemma einen Ausweg finden könnte, hat Professor Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster auf einer Fachtagung in Hannover skizziert.

Schöler testet verschiedene Möglichkeiten, um ESZ-Linien zu etablieren. Ein Weg ist die Gewinnung von ESZ aus Zellkernen von Körperzellen. Um die Abläufe des Transfers solcher Zellkerne in Eizellen zu verstehen und zu optimieren, wurden diese Versuche bisher nur mit natürlichen Eizellen von Mäusen gemacht. Die in den Versuchen verwendeten Kulturmedien werden auch bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) verwendet. "Damit sich das genetische Programm einer Körperzelle komplett in das eines Embryos umwandelt, wären spezielle Medien nötig. Die IVF-Medien stoppen diesen Prozeß an der richtigen Stelle: Wir können zwar ESZ gewinnen, aber es entwickeln sich daraus keine lebensfähigen Embryonen", erläuterte Schöler. Die nunmehr künstlich hergestellten ESZ entsprächen in ihren Merkmalen denen des Zellkerns der Spenderkörperzelle. Dies macht sie für autologe Zelltherapien interessant. Nun gilt es zu prüfen, ob das Vorgehen auch mit künstlichen Eizellen von Mäusen und von Menschen funktioniert.

Wie berichtet, war es der Gruppe um Schöler im Mai 2003 gelungen, aus ESZ einer Maus quasi im Rückschritt eine Eizelle herzustellen, die zur Ausgangszelle einer neuen Zell-Linie werden soll. Eine solche Eizelle könnte nämlich entkernt und dann als Hüll- und Nährmedium für einen Nukleus einer Körperzelle dienen, aus dem sich dann die gewünschten ESZ entwickeln. In einem nächsten Schritt müssen humane ESZ-Linien als Eizellieferanten untersucht werden. Dabei ist unklar, ob man das gleiche Nährmedium wie in Mausversuchen verwenden kann. Schöler hofft, daß schon bald ein komplettes In-vitro-System für die Stammzellerzeugung verfügbar ist. Damit wären die Forscher zweifach ethisch entlastet: Sie könnten für die Zellgewinnung auf gespendete Eizellen verzichten und hätten der mißbräuchlichen Anwendung embryonaler Zellen einen Riegel vorgeschoben.

Topics
Schlagworte
Gentechnik (2103)
Krankheiten
Transplantation (2148)
Personen
Hans Schöler (43)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Amazonas-Volk hat die gesündesten Gefäße weltweit

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »

Kiffen schädigt wohl doch Herz und Hirn

Cannabis-Konsum erhöht offenbar doch das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche. Zumindest hat sich ein entsprechender Zusammenhang in einer umfassenden US-amerikanischen Analyse gezeigt. mehr »