Ärzte Zeitung, 08.06.2004

Baumunfälle vor allem auf gerader Strecke

Kopf und Thorax sind am häufigsten verletzt / Untersuchung in Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht

BERLIN (gvg). Die naheliegende Vermutung, wonach tödliche Unfälle durch einen Aufprall auf Bäume auf Straßen mit Alleenbäumen vor allem in Kurven passieren, ist widerlegt. Das ergab eine Untersuchung, die das Unfallklinikum Berlin zusammen mit der Universität Greifswald beim Hauptstadtkongreß in Berlin vorgestellt hat.

Auf geraden Alleen in Mecklenburg-Vorpommern kommt es besonders häufig zu Unfällen durch Aufprall auf Bäume. Foto: dpa

Dr. Gerrit Matthes vom Berliner Unfallklinikum präsentierte die Auswertung von 277 Unfällen mit Personenschaden, die sich in den Jahren 2001 bis 2003 im Raum Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern ereignet hatten. Besonders interessierten sich die Forscher dabei für Unfälle mit Aufprall auf Bäume. Diese Unfälle sind im alleenreichen Mecklenburg- Vorpommern die häufigste Todesursache im Straßenverkehr.

"Anders als wir erwartet hatten, passierten zwei Drittel aller Baumunfälle auf gerader Strecke, und nur jeder dritte derartige Unfall in einer Kurve", so Matthes. Bei fast all diesen Unfällen auf gerader Strecke habe es sich um einen frontalen oder mehr oder weniger frontalen Aufprall gehandelt.

"Besonders erschreckend war, daß wir bei zwei von drei Baumunfällen auf der Fahrbahn keinerlei Hinweise auf Bremsspuren gefunden haben", hat Matthes weiter berichtet. Auch bei ABS-Autos würde man das bei einer scharfen Bremsung erwarten. Und: Jeder dritte Fahrer war nicht angeschnallt.

Die einzige Schlußfolgerung, die diese Daten zuließen, sei die, daß die Fahrer die Gefahr gar nicht bemerkt hätten, so Matthes. Alkohol, Schlaf und die sogenannten Disco-Unfälle, bei denen die Insassen sich mental noch auf der Tanzfläche befinden, seien die drei wahrscheinlichsten Ursachen für solche Unfälle. Zwar erscheine Alkohol nur bei einem Viertel der untersuchten Fälle als Unfallursache im Polizeibericht, doch sei eine erhebliche Dunkelziffer zu vermuten.

Die Daten der Unfallforscher erlauben auch Rückschlüsse auf möglicherweise effektive Präventivmaßnahmen: "Außer Anschnallgurten mit Warntönen und einer Null-Promille-Regelung könnten vor allem Leitplanken schwere Unfälle auf geraden Strecken verhindern. Das Abholzen von Bäumen in Kurven dagegen ist wahrscheinlich nicht so hilfreich, denn Kurven sind offensichtlich nicht das Problem".

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