Ärzte Zeitung, 16.09.2004

Viele allergische Reaktionen sind auf Dieselruß zurückzuführen

Forschungsergebnisse zur Gesundheitsgefährdung durch Dieselruß vorgestellt / Produktion von IgE bei allergischen Prozessen wird gesteigert

DAVOS (hsr). Dieselruß-Partikel sensibilisieren nicht nur für IgE-vermittelte Allergien, sie lösen sie auch aus. Fördernde Wirkung auf die IgE-Synthese von Atopikern scheinen dabei vor allem an die Schwebstäube gebundene oder gasförmige organische Verbindungen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe zu haben.

Blaue Abgaswolke mit Dieselruß: Allergiker können hier mit Asthma oder etwa Neurodermitis reagieren. Foto: dpa

"Alle Dieselfahrzeuge sollten deshalb mit Rußpartikel-Filtern ausgestattet werden", fordert Dr. Wolfgang Schober. Filtersysteme könnten das gesundheitsschädigende Potential solcher Emissionen erheblich mindern und kämen Allergikern wie Nicht-Allergikern gleichermaßen zugute, so der Wissenschaftler vom Zentrum Allergie und Umwelt der TU München. Denn besonders in verkehrsreichen städtischen Gebieten liege die Rate von Allergien, von denen 95 Prozent Atopien, also IgE-vermittelte allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis, seien, deutlich höher als in ländlichen Bereichen.

Wie Schober beim 20. Fortbildungskongreß "Fortschritte der Allergologie, Immunologie und Dermatologie" in Davos in der Schweiz berichtet hat, kann die allergiefördernde Wirkung von Dieselruß aufgrund mehrerer Untersuchungen als gesichert gelten.

Aus In-vitro- und In-vivo-Studien mit Mäusen gehe etwa hervor, daß Dieselruß-Partikel die IgE-Produktion bei allergischen Prozessen erhöhen. Provokationstests bei Menschen bestätigten diese Befunde. Zum Beispiel erhöhte sich in einer Placebo-kontrollierten Studie mit Hausstaubmilben-Allergikern die in einem Symptomenscore erzielten Punkte durch Reizung mit Allergenen plus Dieselruß im Vergleich zur alleinigen Anwendung von Allergenen oder Allergenen plus Placebo um mehr als das Doppelte.

Eigene Studien belegen nach Angaben von Schober darüber hinaus die eindeutige Assoziation zwischen oberen Atemwegserkrankungen und der Verkehrsbelastung: Mit verringertem Abstand zu einer verkehrsreichen Straße nimmt danach sowohl die Rate gegen ubiquitäre Allergene wie Pollen von Birke, Gras und Beifuß sensibilisierter Personen als auch die Rate allergischer Reaktionen signifikant zu. Dabei komme den an Dieselruß-Partikeln adsorbierten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) eine erhebliche Bedeutung zu, so Schober.

"PAK, vor allem das Phenanthren, sind offenbar die eigentlichen Verursacher der allergiefördernden Wirkung." Studien an humanen Mastzellen belegten das: Nach Inkubation mit Phenanthren erhöhten sich die intrazellulären Interleukin-4-Spiegel - Indiz für eine Stimulierung der IgE-Synthese - durch Hemmung des IL-4-Rezeptors dosisabhängig signifikant um ein Drittel des Ausgangswertes.

STICHWORT

Dieselruß

Jährlich setzen Kraftfahrzeuge in Deutschland nach Berechnungen des Länderausschusses für Immissionsschutz etwa 70 000 Tonnen Dieselruß frei. Nutzfahrzeuge allein etwa 60 Prozent davon. In Ballungszentren, etwa an dicht befahrenen Kreuzungen, werden Konzentrationen von bis zu 30 Mikrogramm Dieselruß pro Kubikmeter Atemluft gemessen.

Dabei ist die Verbrennung nach Aussage von Dr. Wolfgang Schober aus München vor allem bei Dieselmotoren im Schwerlastverkehr unvollständig. Es bildeten sich Rußkerne. Daran adsorbiert seien organische Verbindungen, besonders polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Die atmosphärischen Schwebstäube sind weniger als 2,5 Mikrometer groß und komplett alveolengängig. (hsr)

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