Ärzte Zeitung, 23.06.2005

Bundesinstitut rät weiter zum Stillen

Trotz Belastung mit Chemikalien ist Muttermilch die beste Nahrung für Neugeborene

BERLIN (dpa). Trotz vieler Chemierückstände ist Muttermilch nach Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nach wie vor die beste Nahrung für Neugeborene. "Die Gehalte vieler Chemikalien sind rückläufig, sie stellen nach allem, was wir heute wissen, für den gestillten Säugling kein Risiko dar", betonte die Leiterin der am BfR angesiedelten Nationalen Stillkommission, Professor Hildegard Przyrembel, in Berlin.

Vor wenigen Tagen hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Studie vorgestellt, nach der Muttermilch mit rund 300 Substanzen belastet ist, die vor allem über Nahrungskette und Fettdepots der Mutter in der Milch landen (wir berichteten). Der BUND hatte jedoch ebenfalls nicht vom Stillen abgeraten, sondern gefordert, die Belastungen schnell und effektiv zu minimieren.

Das BfR forderte, den Verordnungsentwurf für ein europäisches Chemikaliengesetz (REACH) an wesentlichen Stellen umgehend nachzubessern.

Gestillte Säuglinge erkrankten im ersten Lebensjahr seltener an Infektionen und neigten später weniger zu Übergewicht, betonte das BfR die Vorteile des Stillens. Auch das Risiko für Allergien sei geringer.

Während etwa die Belastung mit Dioxinen seit 15 Jahren zurückgeht, tauchen nun jedoch - auch durch feinere Analysemethoden - neue Substanzen wie bromierte Flammschutzmittel in der Milch auf. Dazu hat das BfR 2002 eine Studie gestartet. "Die Mengen, die der Säugling über die Muttermilch aufnimmt, liegen allerdings um das Zehntausendfache unter den Dosierungen, die im Tierversuch noch keine gesundheitsschädigenden Wirkungen ausgelöst haben", resümiert das BfR.

Dennoch gelte es, das Vorkommen von Fremdstoffen in Muttermilch soweit wie möglich zu minimieren. "Eine wirksame Maßnahme wäre die Stärkung des Verbraucherschutzaspekts im neuen europäischen Chemikalienrecht, REACH", fordert das BfR. Eine Nachbesserung des Entwurfs für das europäische Chemikaliengesetz sei dafür notwendig.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.bfr.bund.de

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