Ärzte Zeitung, 23.02.2007

Klima lässt nur noch 15 Jahre Zeit für Umkehr

Klimaforscher warnen vor Abschmelzen der Polkappen

HAMBURG (dpa). Die Menschheit hat nicht einmal mehr 15 Jahre Zeit, um eine unumkehrbare Klimakatastrophe durch die rasche Einführung effizienter Technologien zu verhindern. Dies geht aus dem noch unveröffentlichten dritten Teil des Weltklimaberichtes der Vereinten Nationen hervor, aus dem mehrere Medien zitieren.

Wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht spätestens bis 2020 substanziell abnähme, werde der letzten Entwurfsfassung des Berichtes zufolge die Erderwärmung unumkehrbare Prozesse wie das Abschmelzen der Eisschilde in Grönland und die Übersäuerung der Ozeane in Gang setzen. Etwa 12,16 Billionen Euro sollten bis 2030 vor allem in CO2-arme Technologien gesteckt werden.

Aber die Weltgemeinschaft dürfe sich nicht mehr nur auf klimaschädliches Kohlendioxid konzentrieren. Stattdessen müsse eine "Multi-Gas-Strategie" auch die Zunahme von Methan, Lachgas und anderer Treibhausgase in der Atmosphäre eindämmen. Damit seien nicht mehr nur Autos und Kraftwerke im Fadenkreuz der Klimaforscher, Diplomaten und Politiker, hieß es. Methan und Lachgas stammen zu einem Großteil aus Viehhaltung, Nassreisanbau und Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft. Enorme Mengen Methan könnten zusätzlich freigesetzt werden, wenn die Permafrostböden der Arktis auftauen. Wolle man die Treibhausgase stärker reduziert, seien vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer in der Pflicht.

Den Forschern zufolge sollte die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf einem Niveau von höchstens 420 Anteilen pro einer Million Luftmoleküle (ppm) stabilisiert werden. Aktuell betrage dieser Wert aber schon 383 ppm, und jährlich kämen derzeit 2,5 hinzu.

Die Warnung des Klimarates: Die Zielmarke sei "nur in den stringentesten Szenarien" noch zu erreichen - und damit ein Stopp der globalen Erwärmung bei maximal zwei Grad Celsius. Ein Überschreiten dieser Temperaturschwelle muss nach Ansicht vieler Klimaforscher vermieden werden, weil die Folgen des globalen Wandels dann unbeherrschbar würden. Die Autoren der insgesamt sechs Studien nennen Werte zwischen 48 und 86 Prozent, um die der Gasausstoß bis 2050 im Vergleich zu 2000 gedrosselt werden müsste.

Das von den Vereinten Nationen beauftragte Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) schlägt ein ganzes Bündel von Maßnahmen vor. Dazu gehören der verstärkte Einsatz von Biokraftstoffen, Hybridfahrzeuge, neue Atomkraftwerke, aber auch die Umstellung des Reisanbaus auf Sorten, die nicht mehr im Wasser wachsen müssen, wodurch weniger Methan erzeugt wird.

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