Ärzte Zeitung, 19.10.2007

Jugendliche und Kinder werden immer dicker

MÜNCHEN (dpa). Krankhaftes Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen nimmt in Deutschland zu. Von den 3- bis 17-Jährigen sind etwa 15 Prozent übergewichtig und etwa 6 Prozent fettsüchtig.

Verhalten Kinder sich ungesund, kommt das Eltern teuer zu stehen.

Foto: DAK

Zwei Drittel der fettsüchtigen Kinder haben nach einer Studie niemals gemeinsam im Familienkreis am Tisch gegessen, sagte der Münchner Kinderarzt Professor Detlef Kunze bei der Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

Zur Bekämpfung der Adipositas sei ein nationaler Aktionsplan notwendig, sagte Professor Manfred Müller von Universität Kiel. Beratung und Information über richtige Ernährung und Bewegung hätten in der Vergangenheit zu fast keinem Erfolg geführt. Bei Diäten würden lediglich fünf bis zehn Prozent der Patienten nachhaltig ihr Gewicht um ein Kilogramm reduzieren.

Kritisch betrachten die Kollegen eine bessere Kennzeichnung der Lebensmittel-Inhaltsstoffe wie Zucker zur Bekämpfung des Übergewichts. "Das wird garantiert keine Wirkung zur Prävention von Übergewicht haben, das ist absolut illusorisch", sagte Professor Joachim Westenhöfer aus Hamburg. Jugendliche und Erwachsene seien in der Regel gut informiert, was jedoch nicht zur Veränderung ihres Verhaltens führe.

Ein besonderes Problem seien dicke Kinder dicker Eltern. In dieser Konstellation gebe es eine hohe Barriere zur Bekämpfung des Übergewichts in der Familie, so Müller. Adipositas sei keine vorübergehende Erscheinung oder ein Lifestyle-Problem, sondern eine schwer wiegende Krankheit. Es wird davon ausgegangen, dass 70 Prozent aller deutschen Männer und 50 Prozent der Frauen seien zu dick sind.

Kunze forderte, bei der Schulverpflegung auf eine richtige Ernährung zu achten. Durch Bewegungsmangel und die falsche Ernährung nehme unter den Kindern der Typ-2-Diabetes zu, den es vor zehn Jahren in der Altersklasse von 3 bis 17 Jahren überhaupt nicht gegeben habe.

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