Ärzte Zeitung, 09.10.2007

Sublinguale Immuntherapie funktioniert rasch

Beim Graspollen-Extrakt mit Adjuvans gab es ab der dritten Woche deutliche Zeichen der Wirksamkeit / Ergebnisse einer Pilotstudie mit 80 Patienten

LÜBECK (ugr). Die sublinguale Immuntherapie (SLIT) bei IgE-vermittelten Allergien wie der Pollenallergie funktioniert anscheinend auch im Zeitraffer. Erste Hinweise darauf geben jetzt Studienergebnisse bei Patienten mit Graspollenallergie.

"In der subkutanen Immuntherapie sind kürzere Anwendungen durch die Kombination mit Adjuvantien wie Monophosphoryl-Lipid A (MPL®) bereits gut implementiert", sagte Professor Ludger Klimek beim Deutschen Allergie-Kongress in Lübeck. Diese Strategie könnte auch für die SLIT genutzt werden, so Klimek bei einem Symposium von Bencard.

In einer Phase-I-Studie hat Klimek im Wiesbadener Zentrum für Rhinologie und Allergologie das MPL A bei 80 Patienten mit Graspollen-Allergie getestet. Das Adjuvans aktiviert Antigen-präsentierende Zellen und bewirkt eine verstärkte TH1-Antwort. Die Patienten wurden in vier Gruppen eingeteilt. Jeweils 16 Patienten erhielten sublingual ein Verum: einen flüssigen Graspollen-Extrakt aus zwölf Gräser-Spezies, der in drei Gruppen mit unterschiedlich dosiertem MPL A angereichert war. Jeweils vier Patienten einer Gruppe bekamen eine allergenfreie Lösung. Behandelt wurde täglich über acht Wochen. Vor Therapiebeginn, nach vier und nach zehn Wochen erfolgten nasale Provokationstests (NPT). Zudem wurden wöchentlich die grasspezifischen Antikörper im Blut bestimmt.

Ergebnis: Vor Therapiebeginn war der NPT bei allen Patienten positiv. Nach zehn Wochen war die Zahl der Patienten mit negativem NPT in den beiden Gruppen, die hohe Dosen des Adjuvans (52,5 μg) erhielten, signifikant höher als in der Placebogruppe. Bei Therapie mit dem hoch dosierten Adjuvans kam es bereits ab der dritten Woche zu einem raschen Anstieg des spezifischen IgE als Zeichen der immunologischen Wirksamkeit.

STICHWORT

MPL

Monophosphoryl-Lipid A (MPL) ist das detoxifizierte Derivat eines endotoxischen Lipopolysaccharids, das aus der Zellwand von Salmonella minnesota gewonnen wird. Bakterielle Endotoxine sind potente Immunstimulanzien, die den bei Allergie-Patienten wünschenswerten Switch von einer TH2-gerichteten Immunantwort mit Induktion von Immunglobulin E (IgE) hin zu einer TH1-gerichteten Immunantwort mit IgG-Induktion unterstützen.

MPL verstärkt ebenfalls die TH1-Antwort, ohne das toxische Potenzial der bakteriellen Ursprungssubstanz zu besitzen. (eb)

Topics
Schlagworte
Allergien (1107)
Krankheiten
Allergien (2966)
Personen
Ludger Klimek (38)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »