Ärzte Zeitung, 17.04.2013

Allergien

SIT spart Geld

Frühjahrszeit ist Pollenzeit ist Allergiezeit. Helfen kann eine spezifische Immuntherapie. Sie bremst nicht nur das Asthma, sondern erspart dem Gesundheitssystem erhebliche Kosten, haben US-Kollegen herausgefunden.

Von Elke Oberhofer

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Allergische Rhinitis: Eine spezifische Immuntherapie (SIT) kann das Fortschreiten der Erkrankung zum Asthma bremsen.

© jupiterimages / Thinkstock

MOSS BEACH. Vorteil der spezifischen Immuntherapie (SIT) gegenüber einer unspezifischen Therapie besteht vor allem darin, dass sie das Fortschreiten zum Asthma bremst. Auch wirkt die SIT auch nach Beendigung der Behandlung weiter.

Bei Kindern ist ein wirtschaftlicher Nutzen der SIT belegt. Ob dies auch für Erwachsene gilt, hat das Team um Dr. Cheryl S. Hankin von BioMedEcon, einem nicht-kommerziellen Forschungsunternehmen in Moss Beach in Kalifornien untersucht (J Allergy Clin Immunol 2013, online 1. Februar).

In der retrospektiven Studie wurden Daten des Florida Medicaid analysiert, einem staatlichen Gesundheitsträger, der im Jahr etwa zwei Millionen einkommensschwachen Erwachsenen und ihren Kindern Zugang zu Gesundheitsleistungen verschafft.

Zur Therapiegruppe gehörten 1319 Erwachsene und 3648 Kinder mit Allergien. Voraussetzungen für die Teilnahme waren eine neu diagnostizierte allergische Rhinitis sowie mindestens zwei SIT-Anwendungen.

Als jeweilige Kontrollgruppen dienten 4800 Erwachsene und 3600 Kinder, die ebenfalls unter einer Allergie litten, aber keine SIT erhalten hatten.

Vor allem ambulante Ausgaben sanken

Nach 18 Monaten waren bei den Erwachsenen der SIT-Gruppe die Gesamtkosten pro Patient hochsignifikant um 30 Prozent gegenüber den Kontrollpatienten gesunken (von 14.854 auf 10.457 US-Dollar). Die Ersparnis bei den Kindern lag bei 42 Prozent (Kosten-Rückgang von 9.118 auf 5.253 US-Dollar).

Damit habe die Studie gezeigt, so die Forscher, dass sich durch die SIT in beiden Altersgruppen in etwa gleich viel Geld sparen ließe. Dieser Effekt zeigte sich bereits binnen drei Monaten und hielt über den gesamten Beobachtungszeitraum von eineinhalb Jahren an.

Bei den ambulanten Arztbesuchen waren die Pro-Kopf-Kosten bei den Erwachsenen um etwa 800 US-Dollar gesunken: ein signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe. Dreimal so viel allerdings hatte man in diesem Punkt bei den Kindern eingespart.

Bei den Klinikaufenthalten und den Apothekenkosten hatte die SIT dagegen nur bei den Kindern eine deutliche Kosteneinsparung bewirkt, bei den Erwachsenen zeigte sich in diesen Bereichen kaum ein Unterschied zur unbehandelten Gruppe.

Langfristige Kostenreduktion

Im Vergleich zu den Kindern war bei den Erwachsenen allerdings nur ein Drittel der Hyposensibilisierungssitzungen erforderlich (sechs gegenüber 18). Die Therapie dauerte bei den Kindern im Mittel 271 Tage, bei den Erwachsenen 210 Tage. Entsprechend variabel waren die Kosten der SIT: 311 US-Dollar pro Erwachsenen gegenüber 632 Dollar bei den Kindern.

Was den Studienautoren nicht gelungen war, ist ein Abgleich der Daten zum Gesundheitszustand zwischen Therapie- und Kontrollgruppen, und zwar im Hinblick sowohl auf respiratorische als auch auf allgemeine Symptome.

Wie Hankin und Kollegen einräumen, könnten Unterschiede in den Schweregraden der verschiedenen (Begleit-)Erkrankungen die Ergebnisse durchaus beeinflusst haben.

In beiden SIT-Gruppen fanden sich zu Studienbeginn weniger Allgemeinsymptome, dafür aber mehr respiratorische Symptome, beispielsweise akute Atemwegsinfektionen und chronische Sinusitiden, bei den Kindern auch mehr Polypen, Bronchitiden und Asthmafälle.

Fazit: Schon nach drei Monaten brachte der Einsatz der SIT eine erhebliche Kostenersparnis, und zwar bei erwachsenen Allergikern ebenso wie bei Kindern.

Den Autoren zufolge lassen sich mit der SIT viele Asthmafälle verhindern; langfristig sei demnach mit einer noch deutlicheren Kostenreduktion zu rechnen. Daher appellieren Hankin et al. an die Praktiker, die SIT mehr Patienten zugutekommen zu lassen.

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