Ärzte Zeitung, 11.12.2015

Bei Kindern

Allergien können schwerhörig machen

Dass Allergien Sinnesleistungen wie Riechen und Schmecken beeinträchtigen können, ist bekannt. Dass Allergien aber auch bei der Entstehung von Schwerhörigkeit eine Rolle spielen können, wird häufig noch unterschätzt.

Von Angelika Bauer-Delto

Allergien können schwerhörig machen

Die Mittelohrschleimhaut kann Angriffspunkt allergischer Entzündungsvorgänge sein.

© somenski / fotolia.com

KÖLN. Dass Allergien Sinnesleistungen wie Riechen und Schmecken beeinträchtigen können, ist bekannt. Die Rolle, die allergische Entzündungsvorgänge bei verschiedenen Formen der Schwerhörigkeit spielen können, wird dagegen noch häufig unterschätzt.

Eine Erkrankung des Mittelohrs, die mit einer Schallleitungsschwerhörigkeit einhergeht, ist das Seromukotympanon. Nahezu jedes Kind leidet einmal an einem Paukenerguss.

Bei rund einem Drittel der Betroffenen kommt es allerdings zu rezidivierenden oder prolongierten Verläufen, berichtete Professor Michael Damm, HNO-Universitätsklinik Köln, beim 10. Deutschen Allergiekongress in Köln. In diesen Fällen ist eine erweiterte Abklärung sinnvoll (HNO 2013; 61: 843-848).

Hartnäckiger Paukenerguss

Wie auch die aktuelle Leitlinie festhält, kann neben vielen anderen Ursachen eine allergische Verschwellung der Tubenostien ein Seromukotympanon begünstigen (HNO 2012; 60: 540-544).

Nicht nur das lymphatische Gewebe im Nasenrachenraum, sondern auch die Tuba auditiva sowie die Mittelohrschleimhaut können Angriffspunkte allergischer Entzündungsvorgänge sein, erklärte der Kölner Experte.

Als Auslöser, die bei der Ausbildung beziehungsweise Persistenz eines Seromukotympanons eine Rolle spielen können, kommen sowohl Aero- als auch Nahrungsmittelallergene in Betracht.

Damm riet, insbesondere bei rezidivierenden oder prolongierten Episoden eine Allergie in die diagnostischen Überlegungen mit einzubeziehen und gegebenenfalls eine ergänzende allergologische Behandlung in die Wege zu leiten.

Trigger für Morbus Menière

Auch bei der Innenohrschwerhörigkeit können Allergien in Einzelfällen eine Rolle spielen, sagte Damm in Köln. So gibt es Hinweise, dass Allergien einen Morbus Menière triggern können.

Der Morbus Menière ist ja gekennzeichnet durch wiederkehrende, Minuten bis Stunden andauernde Schwindelattacken, die mit einer Tiefton-Schwerhörigkeit und einem Tinnitus oder Ohrdruckgefühl während des Anfalls einhergehen.

Nicht selten tritt allerdings anfänglich kein Vollbild auf, sondern es kommt zunächst nur zu cochleären Symptomen ohne Schwindel.

Die Ätiologie dieser Erkrankung ist noch nicht vollständig geklärt. Pathognomisch ist ein Endolymphhydrops, der wahrscheinlich für die Tiefton-Schwerhörigkeit und den Schwindel verantwortlich ist.

Hydrops in der Cochlea begünstigt

Allergien können einen endolymphatischen Hydrops in der Cochlea begünstigen, sagte Damm. Im Tiermodell konnten bei sensibilisierten Meerschweinchen schon eine Stunde nach Allergenprovokation in der Cochlea degranulierte Mastzellen nachgewiesen werden, und 12 bis 36 Stunden später kam es zur Entwicklung eines Hydrops.

Bei nicht provozierten Kontrolltieren sowie bei Tieren, die vor der Allergenprovokation mit einem Leukotrien-RezeptorAntagonisten behandelt worden waren, zeigten sich solche Veränderungen nicht.

Studiendaten weisen darauf hin, dass bei Patienten mit Morbus Menière die Prävalenz sowohl von Inhalations- als auch von Nahrungsmittelallergien erhöht ist und sich unter einer antiallergischen Therapie beziehungsweise Allergenkarenz auch die Morbus-Menière-Symptomatik bessert.

Bei Patienten mit einem Morbus Menière könne daher auch eine allergologische Abklärung und gegebenenfalls ein Therapieversuch mit Antiallergika hilfreich sein, betonte Damm.

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