Forschung und Praxis, 26.05.2006

In Deutschland ist COPD häufiger als vermutet

Eine symptomatische COPD mit chronischem Husten, Auswurf und obstruktiver Lungenfunktionsstörung wurde früher nur bei starken Rauchern vermutet und galt als eher selten. Epidemiologische Daten dazu fehlten allerdings. Inzwischen steht fest, daß die COPD lange Zeit wenig Beschwerden macht und vermutlich häufiger ist als bisher angenommen.

Dies haben erste Ergebnisse einer internationalen Prävalenzstudie bestätigt, wie in Nürnberg Professor Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover berichtet hat. Der Lungenfacharzt leitet den deutschen Teil des BOLD-Projektes (Burden of Obstructive Lung Disease), das die Häufigkeit und die gesundheitsökonomischen Folgen der COPD untersucht.

Bei diesem Projekt wurde im vergangenen Jahr bei fast 700 zufällig ausgewählten Menschen aus der Region Hannover die Lungenfunktion bestimmt. Die Studienteilnehmer waren über 40 Jahre alt und erhielten eine Spirometrie mit Fluß-Volumenkurve und einen Bronchodilatationstest.

Die Ergebnisse: 15 Prozent der Probanden hatten eine COPD, die zur Hälfte als leichte Erkrankung (Stadium I nach GOLD) eingestuft wurde. Die übrigen hatten eine überwiegend mittelschwere COPD, die aber nur selten weit fortgeschritten (Stadium IV) war. "Bei den über 70jährigen war die COPD-Prävalenz noch deutlich höher", sagte Welte auf einer Veranstaltung der Unternehmen Boehringer Ingelheim und Pfizer, die auch das BOLD-Projekt unterstützen.

Bis zu zehn Prozent der Nicht-Raucher haben eine COPD

Die Prävalenz betrug in dieser Bevölkerungsgruppe 30 Prozent und betraf Männer doppelt so häufig wie Frauen. Umgekehrt war es bei den unter 50jährigen, von denen Frauen zu vier Prozent und Männer zu zwei Prozent eine COPD hatten. Langjährige Raucher (über zehn Packungsjahre) hatten wie erwartet ein erhöhtes COPD-Risiko, das bei aktiven Rauchern mit den Jahren noch zunahm.

"Allerdings hatten auch zehn Prozent der Nicht-Raucher eine COPD, dieses Risiko wurde bisher unterschätzt", so Welte. Ob bei Nicht-Rauchern die Lunge durch Umweltverschmutzung oder Passivrauchen geschädigt wird, sei reine Spekulation. Auf ein weiteres Ergebnis der BOLD-Studie wies der Pneumologe mit Nachdruck hin: "Jedem zweiten COPD-Patienten war seine Erkrankung nicht bekannt, hier müßte die Diagnostik verbessert werden".

Das gelte besonders für Patienten mit mittelschwerer COPD (Stadium II), die bei immerhin sieben Prozent der Probanden diagnostiziert worden war. Diese Patienten brauchen eine Therapie, so Welte. Bei COPD kann erfolgreich mit langwirksamen Bronchodilatatoren behandelt werden, zum Beispiel mit dem Anticholinergikum Tiotropium (Spiriva®). (grue)

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