Ärzte Zeitung online, 16.12.2013

Auch bei COPD

Betablocker verlängert Leben nach Herzinfarkt

Die Zurückhaltung mit Betablockern bei COPD-Patienten mit akutem Myokardinfarkt ist nicht nur unbegründet - sie ist lebensgefährlich. Das bestätigt nun auch eine große Registerstudie aus Großbritannien.

Von Beate Schumacher

Betablocker verlängert Leben nach Herzinfarkt

EKG-Kontrolle. Bekommen COPD-Patienten nach Herzinfarkt immer die indizierte Arznei?

© jupiterimages / Photos.com Plus

LONDON. Immer mehr Untersuchungen belegen, dass Betablocker, insbesondere die kardioselektiven Wirkstoffe, bei COPD-Patienten nicht nur sicher sind, sondern möglicherweise sogar einen Nutzen haben, der über ihre kardiovaskulären Effekte hinausgeht.

Trotzdem scheinen sich Bedenken zu halten, Betablocker könnten die Lungenfunktion der Patienten zusätzlich verschlechtern.

Nach wie vor werden die Wirkstoffe bei COPD-Patienten seltener verschrieben als bei lungengesunden Patienten. Das gilt offenbar sogar beim akuten Myokardinfarkt.

In Großbritannien haben Registerdaten zufolge zwischen 2003 und 2008 nur 40 Prozent der COPD-Patienten zur Postinfarkttherapie einen Betablocker erhalten - eine im internationalen Vergleich besonders geringe Quote.

Die so behandelten Patienten hatten jedoch einen deutlichen Überlebensvorteil, wie eine jetzt veröffentlichte Analyse belegt (BMJ 2013; 347: f6650).

Daten von 1063 COPD-Kranken mit Infarkt analysiert

Zur Auswertung kamen die Daten von 1063 COPD-Kranken mit einem ersten Herzinfarkt. 22 Prozent von ihnen wurde aufgrund dieses Ereignisses zum ersten Mal ein Betablocker verordnet, im Median allerdings nur für die Dauer von dreieinhalb Jahren.

23 Prozent der Patienten hatten bereits vor dem Infarkt einen Betablocker erhalten, der dann aber bei einem Drittel bei Krankenhausaufnahme abgesetzt worden war.

Die Neuverordnung eines Betablockers, meistens Bisoprolol, erfolgte bevorzugt bei jüngeren Patienten mit selteneren Exazerbationen und weniger Komorbiditäten.

Selbst wenn diese Unterschiede sowie die Begleittherapien berücksichtigt wurden, war das Sterberisiko der Patienten mit neu begonnener Betablockade während der knapp dreijährigen Nachbeobachtungszeit um 50 Prozent geringer als das der Patienten ohne Betablocker.

Patienten mit vorbestehender Betablockade hatten eine um 41 Prozent reduzierte Mortalität.

Weniger kardiale, aber auch weniger nicht-kardiale Todesfälle

Auch die Chance, das erste Jahr nach dem Infarkt zu überleben, war in beiden Betablockergruppen deutlich größer. Unter der Therapie war nicht nur die Rate kardialer, sondern auch nicht-kardialer Todesfälle vermindert (minus 43 Prozent bzw. 51 Prozent).

"Unsere Daten sprechen für einen breiteren Einsatz von Betablockern bei COPD-Patienten nach Herzinfarkt", resümieren die Studienautoren um Jennifer K. Quint von der London School of Hygiene and Tropical Medicine.

Sie weisen darauf hin, dass gerade Patienten mit häufigen Exazerbationen, denen Betablocker besonders oft vorenthalten werden, eine hohe kardiovaskuläre Komorbidität haben.

"Vielleicht sollten wir in dieser Gruppe entschiedener sein mit der Verordnung von Betablockern." Die Sicherheit der Substanzklasse sei nach derzeitigem Wissen "gut".

Um die Verschreibungspraxis zu verändern, sei es aber notwendig, die Sicherheit in dieser Hochrisikogruppe weiterhin zu evaluieren.

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