Forschung und Praxis, 17.05.2005

Schnarcher mit Herzinsuffizienz sind doppelt gestraft

Obstruktive Schlafapnoe steigert Herzfrequenz und erhöht arteriellen Blutdruck

Schnarchen - ein Wort, das bei vielen schlimme Assoziationen weckt! Egal ob man selber schnarcht oder der Bett-Nachbar, betroffen ist man so oder so. Durchwachte Nächte und Übermüdung führen dazu, daß man tagsüber kurz wegdöst, ob in der Konferenz oder schlimmstenfalls am Steuer. Aber gefährlich sind auch die nächtlichen Atemaussetzer, wie auf dem Pneumologen-Kongreß in Berlin hervorgehoben wurde.

Bei Verdacht auf Schlafapnoe-Syndrom können schlafmedizinische Untersuchungen weiterhelfen. Foto: MAP

Christina Ott

Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin leiden in Deutschland etwa eine Million Menschen unter ständigen nächtlichen Atemaussetzern. Gemeinsam mit lautem unregelmäßigem Schnarchen sind sie Symptome eines obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndroms (OSAS). Hierbei kommt es durch Erschlaffen der Muskulatur im Rachenraum während des Schlafes zu einem Verschluß der oberen Atemwege und damit zu einer Unterbrechung der Atmung.

Die Atmung setzt erst wieder ein, wenn der Schlaf unterbrochen wird und somit die Erschlaffung der Muskulatur nachläßt. Während der Atemaussetzer ist die Belüftung der Lunge beeinträchtigt, der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt rasant - und der Körper reagiert mit Weckreaktionen (Arousals), die eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems zur Folge haben. Dies geschieht oft viele Male während der Nacht.

Folgen sind Kopfschmerzen am anderen Morgen, Müdigkeit, sexuelle Funktionsstörungen, Bluthochdruck bis hin zu Herz-Kreislauf-Beschwerden. So wird bei Patienten mit Herzinsuffizienz vermehrt ein OSAS beobachtet: Etwa 40 Prozent dieser Patienten sind betroffen, wie eine Posterpräsentation auf dem Internisten-Kongreß in Wiesbaden deutlich machte.

Neuen Studien zufolge scheint sich das OSAS vor allem bei Patienten mit manifester Herzinsuffizienz besonders negativ auszuwirken (Dtsch Med Wochenschr 130, 2005, 468).

Über verschiedene pathophysiologische Abläufe werden bei der OSAS unter anderem die Herzfrequenz gesteigert, der arterielle Blutdruck und die Nachlast des Herzens erhöht sowie Entzündungsvorgänge induziert und Lymphozyten aktiviert. Diese Prozesse verstärken wiederum die kardiale Dysfunktion.

Gewichtsreduzierung entlastet auch den Pharynx

Eine adäquate Therapie bei Patienten mit OSAS basiert auf Allgemeinmaßnahmen, apparativen und operativen Verfahren. Die Betroffenen sollten vor allem regelmäßige Schlafzeiten einhalten, möglichst wenig Sedativa einnehmen und keinen Alkohol trinken. Um bei adipösen Patienten die Fettvermehrung im Pharynxbereich zu reduzieren, die zu einer Obstruktion führen kann, ist eine Gewichtsnormalisierung anzustreben.

Als Standardtherapie kann die nächtliche kontinuierliche Überdrucktherapie (CPAP) angesehen werden. Hierbei wird das Kollabieren der Atemwege verhindert, indem über eine Nasenmaske ein positiver Druck von fünf bis 15 mbar aufgebaut wird. Auf diese Weise werden unter anderem die nächtliche Sauerstoffentsättigung und die Weckreaktionen beseitigt.

Diese Therapie wird im Schlaflabor unter polysomnographischer Kontrolle angepaßt. Bei der Polysomnographie handelt es sich um ein computergestütztes Verfahren, bei dem während des Schlafes ständig Signale wie die durch Augenbewegungen entstehenden Potenzialänderungen registriert und analysiert werden.

Bei weniger als zehn Prozent der Betroffenen ist die CPAP nicht wirksam. Hier können andere Formen der nasalen Ventilation eingesetzt werden. Prothetische Verfahren mittels maßgefertigter Unterkieferprotrusionsschiene sind bei leichtgradigen Formen der OSAS erfolgversprechend (Weißbuch Lunge 2005).

Bisher wurde die Schlafapnoe eher als ein Problem von über 50jährigen Männern angesehen: Eine aktuelle Studie belegt jedoch, daß jüngere Männer unter 30 Jahren mit Schlafapnoe eine im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung deutlich erhöhte Gesamtsterblichkeits-Rate haben (Eur Respir J 25, 2005, 514).

Die Diagnostik bei Verdacht auf eine Schlafapnoe sollte daher möglichst früh erfolgen. Dies gilt vor allem für Risiko-Patienten, also für unter 30jährige dicke Männer mit positiver Familienanamnese oder Bluthochdruck.

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