Ärzte Zeitung, 18.10.2010

So manche Hautkrankheit geht auch ins Auge

Sowohl die Haut als auch die Augen entwickeln sich während der Embryogenese aus dem Ektoderm, dem äußeren der drei Keimblätter. Diese gemeinsame ektodermale Herkunft führt dazu, dass bei einer Vielzahl von Erkrankungen beide Organe betroffen sind.

Von Christina Ott

So manche Hautkrankheit geht auch ins Auge

Abb. 1: Eine Dermoidzyste am rechten Oberlid - hier ist die operative Exzision Therapie der Wahl.

© Springer Medizin (7)

NEU-ISENBURG. Bei vielen dermatologischen Erkrankungen - so etwa bei jedem zehnten Patienten mit Psoriasis - sind zum Beispiel die Augenlider betroffen. Dies kann eine Entzündung der Augenlider (Blepharitis) oder einen teilweisen bis vollständigen Verlust der Wimpern (Madarosis) zur Folge haben. Darauf weisen Dr. Elisabeth Kohl aus Regensburg und Kollegen hin (Der Ophthalmologe 2010, 107: 281).

Augenlider sind zudem relativ anfällig für potenzielle Allergene, welche in die Epidermis eindringen und allergisch bedingte Lidekzeme auslösen. Das liegt unter anderem daran, dass die Haut der Augenlider nur 0,55 mm dick ist (andere Gesichtspartien bis zu 2 mm).

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Abb. 2: Riesenpapillen der tarsalen Bindehaut - ein frühes Zeichen der atopischen Keratokonjunktivitis.

Bei Frauen kommen Lidekzeme viel häufiger vor als bei Männern, was vermutlich am Gebrauch von Kosmetika liegt. Besonders häufig finden sich beim Lidekzem Kontaktsensibilisierungen auf Duftstoffe. Aber auch Lidschatten-Applikatoren und Make-up-Pinsel (Metalle, Kunststoffe) können eine Typ-IV-Sensibilisierung auslösen.

Von zunehmender Bedeutung sind die als Klebstoffe verwendeten Cyano- und Methacrylate, die verwendet werden, um künstliche Nägel zu befestigen. Werden diese Klebstoffe von den Händen in die Periorbitalregion verschleppt, kann sich ein Lidekzem entwickeln.

Weitere Kontaktallergene sind Medikamente wie Aminoglykosid-Antibiotika und Phenylephrin oder die in den meisten Augentropfen enthaltenen Konservierungsstoffe. Von besonderer Relevanz sind Nickel und andere Metalle.

Zur Diagnostik des Lidekzems ist eine genaue Anamnese wichtig, bei der verwendete Kosmetika und topisch angewendete Medikamente abgeklärt werden. Zudem ist eine Epikutantestung auf Standardreihe und gegebenenfalls auf Augenkosmetika und -externa sinnvoll.

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Abb. 3: Bei Blasen bildenden Erkrankungen wie dem Pemphigoid kann die Bindehaut vernarben.

Vor allem bei Verdacht auf eine atopische Diathese sollten sich eine Pricktestung auf Aeroallergene und gegebenenfalls eine In-vitro-IgE-Diagnostik und ein Atopie-Patchtest anschließen. Therapeutisch sind - außer der Karenz relevanter Allergene - topische Kortikosteroide sowie selektive Calcineurininhibitoren sinnvoll.

Atopisches Ekzem - da kann das Auge schwer leiden

Mit einem atopischen Ekzem assoziiert sind zum Beispiel die atopische Keratokonjunktivitis (AKC) und die Keratoconjunctivitis vernalis. Beide Erkrankungen sind beim atopischen Ekzem zwar selten, können aber einen schweren Verlauf nehmen und die Sehkraft bedrohen.

Die AKC ist eine chronische Blepharokeratokonjunktivitis. Typisch sind Symptome wie Juckreiz, Photophobie und Fremdkörpergefühl ("Sand in den Augen").

Frühe klinische Zeichen der AKC sind Blepharitis, Rötung der Bindehaut mit Bindehautchemosis und papilläre Hypertrophie der tarsalen Bindehaut (Abb. 2). Der Tränenfilm ist infolge der Produktion von pathologischen Muzinen meist viskos und neigt zur Schleimbildung.

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Abb. 4: Talgdrüsenkarzinom - es sollte zum Beispiel bei rezidivierenden Hagelkörnern ausgeschlossen werden.

Auch bei der Keratoconjunctivitis vernalis kommt es zu einer schweren chronischen Entzündung, die zur Bildung der charakteristischen Riesenpapillen mit pflastersteinartigem Aspekt der tarsalen Konjunktiva führt.

Die Erkrankung betrifft meist Jungen zwischen 5 und 15 Jahren. Sie weist eine hohe Spontanheilungsrate von 95 Prozent innerhalb von 10 Jahren auf. Die Krankheitssymptome, die denen der AKC ähneln, verschlechtern sich im Frühjahr und Sommer.

Zur topischen Therapie werden bei Atopikern - möglichst konservierungsmittelfreie - Augentropfen mit Mastzellstabilisatoren, Tränenersatzmitteln und Steroiden eingesetzt.

Bei Rosazea ist Dysfunktion der Meibom-Drüsen häufig

Bei einer Rosazea sind die Augen relativ oft mitbeteiligt. Allerdings wird die Diagnose okuläre Rosazea häufig nicht gestellt, da Symptome wie Trockenheits- und Fremdkörpergefühl eher unspezifisch sind.

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Abb. 5: Ein malignes Melanom des Auges tritt im Bereich der Epidermis, in den Konjunktiven und in der Uvea auf.

Häufiges Zeichen der okulären Rosazea ist eine Dysfunktion der Meibom-Drüsen. Weitere klinische Zeichen sind ein Chalazion, auch Hagelkorn (Abb. 7) genannt, das heißt eine Verstopfung und chronische granulomatöse Entzündung der Meibom-Drüsen, wodurch sich langsam eine rote, aber schmerzlose Verdickung bildet. Zudem kann ein Hordeolum (Gerstenkorn) entstehen, eine eitrige Entzündung, die meist von Talg- oder Schweißdrüsen ausgeht.

Blasenbildung kann zu Narben führen

Bei vielen Blasen bildenden dermatologischen Erkrankungen ist die Konjunktiva beteiligt. Je nach Krankheitsbild und Schweregrad können sich Narben bilden. Das vernarbende Pemphigoid (Abb. 3) ist hierbei eine wichtige und vergleichsweise häufige Differenzialdiagnose.

Bei 85 Prozent der Patienten ist dabei die oropharyngeale Mukosa betroffen, bei 65 bis 75 Prozent die Konjunktiva und bei bis zu 25 Prozent die Haut. Besonders häufig tritt es bei Frauen ab 60 Jahren auf.

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Abb. 6: Findet man meist als gelbliche Papeln bis Plaques bilateral am medialen Augenlid: Xanthelasmen.

Außer dermatologischen Erkrankungen, die sich am Auge manifestieren, gibt es eine Vielzahl von Erkrankungen, die sowohl die Haut als auch die Augen betreffen. Beispiele sind Tumoren der Augenlider: Der häufigste benigne Tumor ist hier das Chalazion.

Nicht selten im Bereich der Augenlider lokalisiert sind des Weiteren seborrhoische und aktinische Keratosen. Meist bilateral am medialen Augenlid findet man Xanthelasmen (Abb. 6) als gelbliche Papeln bis Plaques.

Sie können Ausdruck einer Hyperlipidämie sein, treten meist jedoch ohne Fettstoffwechselstörung auf. Eine Erfolg versprechende Therapie ist hier vor allem die Behandlung mit dem Argon- oder Er: YAG-Laser.

Im Bereich der lateralen Augenbraue und des lateralen Augenlids können sich Dermoidzysten (Abb. 1) bilden. Sie entstehen, wenn der Verschluss der embryonalen Spalten gestört ist. Therapie der Wahl ist hier die Exzision.

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Abb. 7: Ursache eines solchen Hagelkorns, bei dem die Meibom-Drüsen verstopft sind, kann eine Rosazea sein.

Der mit 90 Prozent häufigste maligne Tumor im Bereich der Augenlider ist das Basalzellkarzinom. Mit fünf bis zehn Prozent etwa gleich häufig kommen - meist am Unterlid - ein spinozelluläres Karzinom und ein Talgdrüsenkarzinom (Abb. 4) vor. Letzteres muss bei rezidivierenden Chalazia ausgeschlossen werden.

Das maligne Melanom des Auges tritt sowohl im Bereich der Epidermis als auch in den Konjunktiven (Abb. 5) und der Uvea auf. Die Inzidenz okulärer Melanome liegt bei 6 / 1 000 000.

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