Ärzte Zeitung, 30.06.2005

Auffälliges Verhalten bei Demenz kann man verzögern oder dämpfen

Antidementiva ermöglichen es oft, daß Demenz-Kranke länger selbstbestimmt leben

BERLIN (grue). Acht von zehn Alzheimer-Patienten werden im Verlauf der Erkrankung verhaltensauffällig. Oft sind diese Verhaltensstörungen dann Anlaß, daß die Pflege zuhause beendet wird und für die Patienten ein Platz im Heim gesucht wird. Bei der Pharmakotherapie der Demenz-Kranken sollte deshalb berücksichtigt werden, daß Betroffene möglicherweise Verhaltensstörungen haben.

Die Behandlung mit spezifisch wirkenden Antidementiva kann das Verhalten soweit normalisieren, daß Alzheimer-Patienten weniger Neuroleptika brauchen und sich länger selbst versorgen können. Alle zur Alzheimer-Therapie zugelassenen Arzneien kommen dafür in Frage.

Die Acetylcholinesterase-Hemmer Donezepil, Galantamin und Rivastigmin beeinflussen das Verhalten positiv und wirken teilweise auch vorbeugend. Darauf wies Professor Rainer Hellweg von der Charité bei einer Veranstaltung von Merz in Berlin hin. Aber auch der NMDA-Rezeptorantagonist Memantine, von dem Unternehmen als Axura® angeboten, bessert außer den kognitiven Leistungen die Kompetenz im Alltag und mindert die Verhaltensstörungen.

Memantine blockiert den Effekt pathologisch erhöhter Glutamat-Konzentrationen, hat also einen anderen Wirkmechanismus als die Hemmstoffe der Acetylcholinesterase. Die Substanz sollte deshalb allein, aber auch als Partner in einer Kombinationstherapie gegen nicht-kognitive Symptome bei mäßig schwerer und schwerer Alzheimer-Demenz wirken.

Beide Strategien seien in Placebo-kontrollierten Studien über sechs bis sieben Monate geprüft worden und hätten signifikante Vorteile für die Patienten gebracht, sagte Hellweg. In einer Studie mit einer Monotherapie mit Memantine nahmen die Patienten täglich 20 mg des Wirkstoffs ein, in der Studie mit Kombitherapie sei das Medikament zu einer schon länger bestehenden Therapie mit 5 mg bis 10 mg Donepezil hinzu gekommen.

In beiden Studien stabilisierten oder besserten sich die kognitive Leistung, die Alltagskompetenz und das Verhalten. "Verglichen mit Placebo waren die mit Memantine behandelten Patienten ruhiger und hatten weniger Aggressionen und Wahnvorstellungen", sagte Hellweg.

Mit Memantine sei es gelungen, die belastenden Symptome Agitiertheit und Aggression zu dämpfen oder deren Auftreten bei zuvor unauffälligen Patienten zu verzögern. "NMDA-Antagonisten gehören wegen ihrer umfassenden Wirkung zur Therapie bei Alzheimer-Demenz", so Hellweg.

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