Ärzte Zeitung, 01.12.2008

Neuroleptika bei Demenz: Bedarf überprüfen!

Psychiater moniert: Antipsychotika werden nach einer Akuttherapie oft unkontrolliert weiterverordnet

BERLIN (mut). Viele Demenzkranke mit Verhaltensstörungen werden noch immer dauerhaft mit Neuroleptika behandelt - oft nicht zu ihrem Vorteil.

Für die Neuroleptika-Dauertherapie von Demenzpatienten mit Verhaltensstörungen liegen kaum Daten aus klinischen Studien vor. Eine kleine Studie, die jetzt beim Psychiatrie-Kongress in Berlin vorgestellt wurde, hat ergeben: Das Absetzen von Neuroleptika ist bei vielen Patienten mit einer Linderung von Verhaltensstörungen verknüpft.

Die Teilnehmer waren 55 Demenzkranke, die alle Antipsychotika erhielten, berichtete Professor Markus Jüptner, Psychiater von der Universität Duisburg-Essen. Bei 27 Patienten wurden diese Medikamente abgesetzt, bei 28 wurde die Neuroleptika-Therapie fortgeführt. Ziel war zu prüfen, ob die Patienten die Medikation tatsächlich benötigten.

Das Ergebnis: 23 der 27 Patienten kamen nach dem Absetzen nicht nur ohne Neuroleptika aus, bei ihnen gingen die Verhaltensstörungen, gemessen mit dem Neuropsychiatrischen Inventar NPI sogar zurück. "Absetzen der Neuroleptika hilft also den Patienten", so Jüptner auf einer Veranstaltung von Janssen-Cilag. Das Problem sei, so der Psychiater, dass diese Medikamente zur Akuttherapie verwendet, dann aber nicht mehr abgesetzt werden. Demenzpatienten bräuchten jedoch allenfalls eine kurze Akutbehandlung mit Antipsychotika.

Viel nötiger sei eine Dauertherapie mit Antidementiva. Doch ausgerechnet die würden den meisten Demenzpatienten vorenthalten.

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