Ärzte Zeitung, 06.09.2010

Frühtherapie beugt Verhaltensproblemen vor

Eine Alzheimertherapie mit Cholinesterase- Hemmern sollte möglichst früh beginnen. Damit treten auch die stark belastenden Verhaltensstörungen seltener auf.

Frühtherapie beugt Verhaltensproblemen vor

Wer einen Patienten mit Alzheimer-Demenz betreut, braucht unendlich viel Geduld und Kraft.

© Scott Griessel / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN (mut). Mit der Ende 2009 veröffentlichten neuen S3-Leitlinie zu Demenzen haben Ärzte nun weitere gute Argumente für eine antidementive Therapie bei Alzheimer: Darin werden bei leichter bis moderater Alzheimer-Demenz Cholinesterase-Hemmer als Mittel der Wahl klar empfohlen. Grundlage für die Empfehlung, die von 24 Fachgesellschaften, Berufsverbänden und Organisationen getragen wird, sind Studienergebnisse und Meta-Analysen, nach denen diese Medikamente Alltagsfunktionen und Kognition länger erhalten, im Vergleich zu Placebo zu einem besseren klinischen Gesamteindruck führen und auch Verhaltensstörungen mindern.

Gerade Verhaltensauffälligkeiten sind für Patienten und Angehörige oft viel belastender als die kognitiven Defizite. Daran hat Professor Markus Jüptner aus Mülheim erinnert. So verursachen Probleme wie Halluzinationen, Depressionen, Aggressionen, Apathie oder Enthemmung etwa 80 Prozent des Betreuungsaufwandes, sagte Jüptner auf einer Veranstaltung von Janssen-Cilag in Frankfurt am Main. Dass Cholinesterase-Hemmer auch hierbei einen günstigen Einfluss haben, sei nicht nur in Studien belegt worden, sondern reflektiere auch seine Erfahrungen in der Praxis, so Jüptner, der als niedergelassener Facharzt etwa 400 Demenzpatienten im Quartal betreut: "Patienten mit Cholinesterase-Hemmern haben fast nie Verhaltensauffälligkeiten, solche ohne Antidementiva schon." Wichtig dafür sei jedoch, dass die Patienten möglichst früh behandelt werden. "Viele Patienten kommen jedoch sehr spät mit ihrer Demenz zum Arzt, weil es immer noch heißt, ihre Defizite seien normal im Alter", sagte Jüptner.

Da eine möglichst frühe antidementive Therapie nicht nur den kognitiven Abbau bremst, sondern auch Alltagsfunktionen und Verhalten stabilisiert, profitieren davon auch Angehörige. So war der Betreuungsaufwand in einer Studie mit Galantamin (Reminyl®) mit im Durchschnitt 59   Minuten pro Tag nur halb so hoch wie mit Placebo (121 Minuten).

Außerdem konnten Patienten, die in einer Studie drei Jahre lang mit Galantamin behandelt wurden, zwei Jahre länger zuhause bleiben als Patienten mit Placebo. Galantamin wirke sich darüber hinaus auch gut auf den Schlaf-Wachrhythmus aus, indem es bei morgendlicher Einnahme den zirkadianen Rhythmus der Acetylcholin-Ausschüttung unterstützt. Dadurch ließen sich Schlafstörungen vermeiden und die Schlafqualität verbessern.

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