Ärzte Zeitung, 22.11.2004

Exenatide macht Pankreas bei Typ-2-Diabetes wieder fit

Antidiabetikum stellt rasche Insulinsekretion wieder her

MÜNCHEN (hbr). Das Antidiabetikum Exenatide, das zur Zeit in klinischen Studien der Phase 3 getestet wird, kann bei Typ-2-Diabetikern offenbar die erste Phase der Insulinsekretion wieder herstellen.

Das belegt eine Untersuchung mit 14 Typ-2-Patienten und zwölf gesunden Kontrollpersonen. Die Ergebnisse stellte Professor Michael Nauck vom Diabeteszentrum Bad Lauterberg beim Diabeteskongreß in München vor. Die Studienteilnehmer waren im Mittel 57 Jahre alt und mit einem Body-Mass-Index von 32 kg/m2 adipös. Die Typ-2-Patienten hatten seit vier Jahren Diabetes und waren mit Ernährungstherapie, Metformin oder Acarbose behandelt worden.

Die Patienten erhielten eine intravenöse Infusion mit Exenatide oder einem Placebo. Die Kontrollpersonen erhielten kein Exenatide. Exenatide steigert wie das Darmhormon Glucagon-like-Peptide 1 bei Nahrungsaufnahme die Insulinsekretion, abhängig von der Höhe des Blutzuckerspiegels.

Nach dreistündiger Infusion wurde Glukose injiziert: "Das hebt den Blutzucker schlagartig auf 300 mg/dl", sagte Nauck bei einer Veranstaltung von Lilly. Eine gesunde Bauchspeicheldrüse antwortet innerhalb der ersten zehn Minuten - der ersten Phase - mit einer Insulinausschüttung. Bei Typ-2-Diabetes ist das normalerweise nicht so.

Anders bei den Patienten, die mit Exenatide erhalten hatten: Bei ihnen fiel die Phase-1-Antwort sogar besser aus als bei den Gesunden. Der Effekt verringert auch postprandiale Extremwerte, wie ein Mahlzeitentest mit und ohne den Wirkstoff bestätigte: "Der Anstieg des Blutzuckers nach dem Essen ist praktisch wegradiert."

In der täglichen Anwendung genügt es offenbar, den Wirkstoff subkutan zu injizieren. Das haben etwa Tests mit 51 Typ-2-Patienten gezeigt, die ihre orale Therapie aus Metformin ein Jahr lang mit zweimal 10 µg Exenatide ergänzten: Am Studienende war ihr HbA1c um 1,1 Prozentpunkte gesunken. In den USA ist das Präparat zur Zulassung eingereicht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »