Ärzte Zeitung, 11.03.2005

Zucker ist für Diabetiker kein Tabu, aber Fett sollten sie stark reduzieren

Heute startet die bundesweite Diabetes-Aufklärungsaktion / Tagesthema ist Ernährung

BERLIN (eis). Heute beginnt in Berlin die bundesweite Diabetes-Aufklärungsaktion "Gesünder unter Sieben". An sieben Wochenenden wird in sieben Großstädten über die Bedeutung einer befriedigenden Blutzuckereinstellung - die gekennzeichnet ist durch einen HbA1c unter sieben Prozent - informiert. Hauptthema der Auftaktveranstaltung in Berlin ist die Ernährung.

Sieben Städte, sieben Themen und sieben Termine

Start der Aktion "Wissen, was bei Diabetes zählt - Gesünder unter 7" ist am 11. und 12. März in Berlin. Von 10 bis 20 Uhr können sich Besucher an den Aktionsständen im Ring Center in Friedrichshain über Ursachen, Risikofaktoren sowie die Therapie bei Diabetes informieren und mit Experten ins Gespräch kommen.

Für Betroffene besteht darüber hinaus die Möglichkeit, ihren HbA1c-Wert messen zu lassen. Getragen wird die Aktion vom Arzneimittel-Hersteller Sanofi-Aventis. Partner sind unter anderen die "Ärzte Zeitung", der Bundesverband niedergelassener Diabetologen und die Arbeitsgemeinschaft niedergelassener diabetologisch tätiger Ärzte (AND). Die Termine in der Übersicht:

11. und 12. März in Berlin (Ring-Center 1, Friedrichshain). Thema: Ernährung.

18. und 19. März in Frankfurt am Main (Main-Taunus-Zentrum). Thema: Bluthochdruck.

1. und 2. April in Dresden (Altmarkt-Galerie). Thema: Prävention.

15. und 16. April in Mühlheim an der Ruhr (RheinRuhrZentrum). Thema: Diabetischer Fuß.

22. und 23. April in Hamburg (Alstertal-Einkaufszentrum). Thema: Früherkennung.

29. und 30. April in Stuttgart (SchwabenGalerie). Thema: Sport und Bewegung.

13. und 14. Mai in München (PEP Perlacher Einkaufs Passagen). Themen: Herzinfarkt und Schlaganfall.

Bei der Diabetes-Aktion im Ring-Center in Friedrichshain können sich Diabetiker und Angehörige am 11. und 12. März direkt zur optimalen Ernährung bei Diabetes beraten lassen. Besucher erwartet zudem ein kostenloser Diabetes-Risikocheck, bei dem Blutzucker und Blutdruck gemessen werden.

Getragen wird die Aktion vom Arzneimittel-Hersteller Sanofi-Aventis. Partner sind unter anderen die "Ärzte Zeitung", der Bundesverband niedergelassener Diabetologen (BVND) und die Arbeitsgemeinschaft niedergelassener diabetologisch tätiger Ärzte (AND).

"Eine Ernährungsumstellung ist bei den meisten Diabetikern die wichtigste Maßnahme", sagt Professor Alfred Wirth aus Bad Rothenfelde (Ärztebl 101, 2004, A1748).

Früher übliche Empfehlungen wie die Reduktion von Zucker oder die Berechnung der Ernährung nach Broteinheiten sind dabei heute nur noch von geringer Bedeutung. Bei den meisten Patienten geht es vielmehr um eine Gewichtsreduktion, denn 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind nach Angaben von Wirth übergewichtig.

Die Reduktion des Körpergewichts wirkt sich besonders günstig auf den Stoffwechel aus. So verringere sich durch Abnahme von zehn Kilogramm der HbA1c-Werte um ein bis drei Prozentpunkte. Bei fast allen Patienten lasse sich dadurch die Dosis von Antidiabetika reduzieren, und bis zu 50 Prozent der Patienten hätten nach der Gewichtsreduktion keine diabetische Stoffwechsellage mehr, so der Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

Wie aber sollten Patienten ihre tägliche Kost umstellen? "Ernährungsempfehlungen für Diabetiker sind denen heute sehr ähnlich, die auch der Allgemeinbevölkerung zur Erhaltung der Gesundheit empfohlen werden", heißt es dazu in den Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (Ernährungs-Umschau 47, 2000, 182).

Wichtigste Maßnahme ist dabei die Reduktion von Fett. Tierische Fette etwa in Wurst oder fettem Fleisch sollten nur einen kleinen Teil der Nahrungsenergie ausmachen (weniger als 10 Prozent). Zu bevorzugen sind pflanzliche Fette mit ungesättigten Fettsäuren (besonders günstig Olivenöl oder Rapsöl) und Nahrungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren wie Fisch, Rapsöl, Sojaöl und Nüsse.

Der größte Teil der Nahrungsenergie sollte aus Kohlenhydraten kommen (45 bis 60 Prozent). Günstig sind Gemüse, Obst und Vollkornprodukte, weil sie reich an Ballaststoffen, Spurenelementen und Vitaminen sind. Wegen des niedrigen glykämischen Index sind Hülsenfrüchte, Hafer, Nudeln oder Parboiled Reis besonders zu empfehlen.

Nicht empfohlen werden von der Diabetes Gesellschaft Lebensmittel mit energiehaltigen Zuckeraustauschstoffen wie Fruktose oder Zuckeralkoholen. Diese hätten im Vergleich zu üblichem Zucker für Diabetiker keine Vorteile, enthielten aber oft große Mengen an Fett und anderer Nahrungsenergie.

Für insulinbehandelte Diabetiker ist es wichtig, daß Zeitpunkt und Dosis der Insulingabe auf die Menge und den Zeitpunkt einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit abgestimmt werden. Nur durch die Anpassung lassen sich Hypo- oder Hyperglykämien vermeiden.

Tips zur gesunden Ernährung

1. Vollwertig satt! Vollkornprodukte und Kartoffeln sind fettarm, aber reich an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, Ballast- und sekundären Pflanzenstoffen.

2. Gemüse, Obst so viel man will! Möglichst fünf Portionen davon am Tag. Sie liefern Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe und wichtige sekundäre Pflanzenstoffe.

3. Eiweiß in Maßen! Milch und Milchprodukte sollte man täglich essen, Fleisch, Wurst und Eier nur zwei- bis dreimal pro Woche und Fisch mindestens einmal pro Woche. Das enthält Kalzium, Jod, Selen, Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Vitamin B1, B6 und B12.

4. Fett weg! 70 bis 90 g Fett (zwei bis drei Eßlöffel) reichen am Tag für die Versorgung. Pflanzliche Fette sind zu bevorzugen. Auf Fett in Fleisch, Käse und Süßigkeiten ist zu achten.

5. Wasser, Wasser, Wasser!1,5 Liter Getränke am Tag, möglichst Wasser oder Kräutertee. Alkohol, Kaffee, schwarzen Tee nur in Maßen! (eb)

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