Ärzte Zeitung, 05.09.2005

Bei akuter KHK rettet intensive Plättchenhemmung Diabetiker

Zusätzliche Revaskularisierung reduziert Mortalität weiter

STOCKHOLM (sko). Diabetes und akutes Koronarsyndrom - das ist eine fatale Kombination: Im Vergleich zu Patienten ohne Diabetes verdoppelt sich die Mortalität 30 Tage nach dem Ereignis nahezu von drei auf 5,5 Prozent. Bei diesen Hochrisikopatienten kann die Therapie mit einem GP-IIb/IIIa-Rezep-torblocker die Prognose jedoch entscheidend verbessern.

Professor Marco Roffi von der Universität Zürich schenkte den Zuhörern beim europäischen Herz-Kongreß in Stockholm reinen Wein ein: "Die schlechte Nachricht: Diabetiker mit einem akuten Koronarsyndrom (ACS) haben eine sehr schlechte Prognose. Die gute Nachricht: Diese Patienten profitieren besonders von einer intensiven antithrombotischen Therapie mit GP-IIb/IIIa-Rezeptorblockern und einer frühen invasiven Therapie."

In einer Metaanalyse der Studien, in denen insgesamt über 6000 Diabetiker mit ACS einen GP-IIb/IIIa-Rezeptorblocker wie etwa Tirofiban (Aggrastat®) oder Placebo erhalten hatten, konnte Roffi belegen, daß mit Therapie die Sterblichkeit 30 Tage nach dem Ereignis signifikant um 26 Prozent reduziert war.

Die Prognose verbesserte sich noch weiter, wenn die Patienten zusätzlich zu dem Medikament eine PTCA erhalten hatten, wie der Kardiologie bei einem Satellitensymposium des Unternehmens MSD berichtete. Auf diese Ergebnisse reagierte die European Society of Cardiology reagiert und nahm 2002 die GP-IIb/IIIa-Rezeptorblocker zur Therapie bei Risikopatienten in die Leitlinien auf.

Daß die Kombination einer plättchenhemmenden Therapie mit einem frühen invasiven Eingriff wie Revaskularisation besonders bei Diabetikern von Vorteil ist, verdeutlichte Roffi anhand der FRISH-II-Studie: Bei Diabetikern, die ohne invasiven Eingriff behandelt wurden, lag die Rate für Tod oder Herzinfarkt nach einem Jahr bei knapp 30 Prozent. Mit einem invasiven Eingriff sank diese Rate auf 20,6 Prozent.

In diesem Zusammenhang wies Roffi auch auf die Drug-Eluting-Stents hin. In der aktuellen SIRTAX-Studie wurde bei 1012 Patienten untersucht, welche Stentbeschichtung (Sirolimus versus Paclitaxel) die Patienten bessern vor neuen kardiovaskulären Ereignissen schützt. Dieser Vergleich ging zu Gunsten des Sirolimus-beschichteten Stents aus: Nach 270 Tagen lag hier die Rate bei 6,2 Prozent, mit Paclitaxel hingegen bei 10,8 Prozent.

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