Ärzte Zeitung, 30.04.2008

Welches Messgerät für welchen Patienten?

Individuell passende Geräte gibt es für aktive berufstätige Patienten, für Diabetiker mit körperlichen Einschränkungen und sogar für Blinde

Die Auswahl eines Blutzuckermessgerätes sollte nicht dem Zufall oder allein persönlichen Vorlieben überlassen bleiben. Die zur Verfügung stehende Palette an Messsystemen ermöglicht es, das individuell passende Gerät auszusuchen, sei es für den aktiven und berufstätigen Diabetiker oder für Patienten mit körperlichen Einschränkungen.

Mögen junge und technikbegeisterte Menschen kompakte Geräte in modischem Design, haben alte Menschen oft Schwierigkeiten mit der Handhabung solcher Technik und den relativ kleinen Teststreifen. Schon die Frage, wie der Teststreifen ins Gerät zu stecken oder in welcher Reihenfolge das Ganze zu bedienen ist, kann einen technikunerfahrenen Menschen vor Probleme stellen. Moderne Systeme nehmen all das automatisch ab.

Gerade für ältere oder sehbehinderte Patienten sind Messgeräte mit großem und beleuchtetem Display geeignet. Bei traditionellen Einzelstreifensystemen sollte auf möglichst griffige Teststreifen geachtet werden, bei denen der Blutauftrag einfach ist, zum Beispiel weil der Blutstropfen vom Finger aufgesaugt wird. Alternativ kommen Geräte mit Streifenkartusche infrage, empfiehlt Professor Helmut R. Henrichs von der Arbeitsgemeinschaft diabetologische Technologie (AGDT). Ein Gewinn an Messsicherheit ist es auch, wenn die notwendige Kalibrierung der Teststreifen-Charge automatisch erfolgt.

Aktive und mobile Diabetiker sowie Menschen, die im Berufsleben stehen, bevorzugen womöglich integrierte Systeme: Stechhilfe, Teststreifenvorrat und Blutzuckermesssystem in einem Gerät kombiniert. Auf Knopfdruck steht der Teststreifen zur Verfügung, mit der individuell einstellbaren Stechhilfe wird der Blutstropfen gewonnen, auf den Teststreifen aufgebracht und innerhalb weniger Sekunden das Ergebnis angezeigt. Das hat den Vorteil, dass nicht alle Komponenten für die Messung separat eingepackt werden müssen und womöglich etwas zu Hause vergessen wird. Außerdem weiß man, dass Diabetiker auf Reisen gerne mal Messungen weglassen, weil es so viele Umstände macht. Integrierte Systeme ermöglichen zudem die diskrete Messung, sei es bei der Arbeit oder im Restaurant.

Es gibt auch Insulin-Pens, die zugleich ein Messgerät enthalten, so dass man immer alles parat hat. Diese Systeme tauschen unter Umständen sogar Daten miteinander aus. Das Display zeigt beispielsweise an, wie viel Insulin abgegeben worden ist.

Für stark sehbehinderte oder blinde Diabetiker gibt es "sprechende" Geräte. Damit wird den nach Schätzungen etwa 30 000 Diabetikern in Deutschland, die erblindet sind, ein Blutzucker-Selbstmanagement ermöglicht. Die Bedienung des integrierten Messsystems erfolgt sprachgesteuert. Der Messwert wird per Lautsprecher mitgeteilt. (ner)

Wichtiges zur Messgeräte-Wahl

Weitere Kriterien für die Auswahl eines geeigneten Blutzuckermessgerätes:

  • Gerät ist weitgehend intuitiv bedienbar, langes Lesen von Anleitungen nicht erforderlich;
  • kurze Messzeiten - die Ergebnisse werden innerhalb weniger Sekunden angezeigt;
  • kleine Blutmengen erforderlich - Diabetiker müssen dann nicht nachdosieren oder die ganze Messung wiederholen, sich eventuell erneut stechen. Das wirkt demotivierend.
  • Gerät erkennt zu geringe Blutmengen (Unterdosierung) und es gibt eine Nachdosierungsoption.
  • Warnfunktion bei Hypoglykämie - gerade neu diagnostizierte Diabetiker haben manchmal Schwierigkeiten, die Messwerte zu interpretieren;
  • Warnfunktion, wenn das Verfallsdatum von Teststreifen erreicht wird;
  • das Gerät erkennt Einflüsse auf die Messgenauigkeit wie Luftfeuchtigkeit oder Temperatur;
  • akustische Testerinnerung - so wird keine Messung vergessen. (ner)

Lesen Sie mehr im Special:
Blutzucker-Selbstmessung

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