Ärzte Zeitung, 19.01.2015

Bei Diabetikern

Bypass meist besser als Stent

Bei Diabetikern ist das Legen eines Stents zur koronaren Revaskularisierung mit einem höheren Risiko behaftet als die Bypass-Op. Das bestätigen die Ergebnisse einer Metaanalyse.

Von Peter Leiner

Bypass meist besser als Stent

Bypass-Op zur koronaren Revaskularisierung: Der Eingriff ist bei Diabetikern mit einem geringeren Risiko behaftet als das Legen eines Stents.

© muratolmez / fotolia.com

BRISBANE. Bereits seit den Ergebnissen der BARI-Studie (Bypass Angioplasty Revascularization Investigation) vor 17 Jahren gibt es die Hinweise auf den Nutzen der Operation bei Diabetikern.

Im Vergleich zur perkutanen transluminalen Koronarangioplastie war die Bypass-Operation damals mit einer um 15 Prozent niedrigeren Mortalität einhergegangen. Inzwischen wurden die Methoden der Revaskularisierung verfeinert und Fortschritte in der Stent-Technologie erzielt.

Australische und kanadische Wissenschaftler überprüften deshalb jetzt anhand der Daten von 40 prospektiven randomisierten Studien den Stellenwert der Stent-Technik und der Bypass-Chirurgie bei Diabetikern (Ann Intern Med 2014; 161: 724-732).

In ihrer Metaanalyse auf der Grundlage unter anderem der Netzwerkanalyse nutzten die Wissenschaftler die Daten von sieben Studien zum Vergleich medikamentenfreisetzender Stent versus Bypass, sechs Studien zum Vergleich nicht beschichteter Stent versus Bypass sowie 27 Studien zum Vergleich der beiden Stent-Techniken.

Zu den dabei berücksichtigten systematischen Untersuchungen gehören unter anderem die Studien SYNTAX, ENDEAVOUR, FREEDOM, CARDS und PRECOMBAT.

Netzwerkanalysen durchgeführt

Mithilfe von Netzwerkanalysen können Statistiker die Ergebnisse aus direkten Vergleichen zwischen zwei Behandlungen und solche aus Vergleichen zwischen anderen Behandlungen effizient zusammenführen.

Die einbezogenen Studien mussten ein Mindest-Follow-up von neun Monaten haben und dauerten maximal sechs Jahre. Die teilnehmenden Diabetiker hatten eine angiografisch nachgewiesene koronare Mehrgefäßerkrankung oder eine linkskoronare Hauptstammstenose.

Wie die Wissenschaftler berichten, wird nach der Metaanalyse der kombinierte Endpunkt aus Tod, nicht tödlichem Herzinfarkt und Schlaganfall in der Gruppe der Patienten mit einem Stent im Vergleich zu Patienten mit einer Bypass-Operation um 33 Prozent erhöht (Odds Ratio, OR: 1,33).

Die Revaskularisierung mithilfe eines Stents sei der Auswertung zufolge mit einem um 44 Prozent erhöhten Sterberisiko assoziiert und mit einem um - ebenfalls - 44 Prozent verringerten Risiko für Schlaganfälle (OR: 0,56).

Unzureichend seien die Ergebnisse der Metaanalyse beim Parameter Herzinfarkt nach Revaskularisierung mit einem medikamentenfreisetzenden Stent.

Schließlich stieg die Rate an wiederholten Revaskularisierungen nach Versorgung mit einem Stent im Vergleich zur Situation nach einer Bypass-Op um 137 Prozent - der wohl größte Vorteil einer Bypass-Operation.

Auch wenn die Bypass-Operation im Vergleich zur Stent-Technologie im Durchschnitt besser abschneidet, müsse die Entscheidung für das eine oder andere Verfahren im Einzelfall gefällt werden, betonen die Wissenschaftler.

Zumal das Ergebnis der Metaanalyse sehr stark von den Ergebnissen einer einzigen Studie, nämlich der FREEDOM-Studie beeinflusst worden sei und zudem die Schlaganfallrate nach Bypass-Op erhöht sei.

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