Ärzte Zeitung, 02.12.2004

Nicht nur Größe und Schwere der Plaques lenken die Psoriasis-Therapie

Wie ist die Lebensqualität? Auch dieser Aspekt beeinflußt Therapie-Entscheidungen

PARIS (hsr). Zur Beurteilung der Schwere einer Psoriasis für die Therapieentscheidung sollten bei den Patienten nicht nur Ausdehnung und Schwere der Psoriasis-Plaques im PASI-Score dokumentiert werden, sondern es sollte stets auch die Lebensqualität erfragt werden.

Denn "das Ausmaß der Effloreszenzen korreliert nicht notwendigerweise mit dem psychischen Wohlbefinden", so Professor Andrew Y. Finlay von der Cardiff University in Wales.

  Schuppenflechte kann ähnlich körperlich belasten wie Diabetes.

Nach Angaben des britischen Dermatologen müssen die Psoriasis-Plaques zum Beispiel gar nicht großflächig auftreten, um das Alltags-Leben der Patienten in Beruf oder Partnerschaft deutlich negativ zu beeinflussen.

Finlay hat auf einem Satelliten-Symposium während des ersten europäischen Psoriasis-Kongresses in Paris Daten einer US-Studie präsentiert, wonach eine Schuppenflechte die Patienten ähnlich stark körperlich belastet wie andere chronische Erkrankungen, etwa Krebs, Herzinfarkt und Diabetes.

In ihrer seelischen Gesundheit fühlten sich lediglich Patienten mit Depressionen und solche mit chronischen Lungenerkrankungen mehr eingeschränkt als Psoriasis-Patienten, berichtete Finlay auf der Veranstaltung des Unternehmens Wyeth. Seiner Ansicht nach sind das wichtige Erkenntnisse, um für die Patienten die bestmögliche Behandlungsstrategie herauszufinden.

Viele von ihnen mit moderaten bis schweren Formen der Schuppenflechte sind nämlich auch, wie Professor Peter van de Kerkhof von der Universitäts-Hautklinik in Nijmegen betont hat, unzufrieden mit herkömmlichen systemischen Behandlungen oder können diese nicht vertragen.

Als Beleg dafür stellte der niederländische Dermatologe Studienresultate vor, wonach Ciclosporin bei 22 Prozent, Methotrexat bei 20 Prozent, Retinoide bei 16 Prozent und PUVA bei 13 Prozent der Psoriatiker wegen unerwünschter Wirkungen kontraindiziert war.

Für eine wirksame und sichere neue Option der Dauertherapie hält van de Kerkhof den vor kurzem außer bei Psoriasis-Arthritis nun auch bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis vulgaris vom Plaque-Typ zugelassenen TNF-alpha-Blocker Etanercept (Enbrel®).

Über 1200 Patienten profitierten in Placebo-kontrollierten Studien von signifikanter Verbesserung sowohl der Hautsymptomatik als auch der Lebensqualität. In einer Studie sank der PASI mit zweimal wöchentlich über sechs Monate subkutan injizierten 50 mg der Substanz bei bis zu 59 Prozent der Patienten um mindestens 75 Prozent.

STICHWORT

PASI-Score

PASI steht für Psoriasis Area and Severity Index und beschreibt die Ausdehnung und den Schweregrad (Rötung, Dicke der Plaques und Schuppung) der Psoriasis-Läsionen. Je schwerer die Krankheit ausgeprägt ist, desto mehr Punkte gibt es. Maximal sind es 72 Punkte.

Nach dem PASI-Score werden Patienten mit leichter, mittelschwerer und schwerer Erkrankung unterschieden. Eine mittelschwere Erkrankung liegt dann vor, wenn zwei bis neun Prozent der Körperoberfläche Psoriasis-Läsionen haben (10 bis 50 Punkte im PASI-Score), eine schwere Erkrankung, wenn über zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen ist (50 bis 72 Punkte im PASI-Score).

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