Ärzte Zeitung, 20.06.2005

Keime in Wunden werden ausgetrickst

Verband mit hoher Saugkapazität und Silberionen muß nicht täglich gewechselt werden / Option bei Kontaminationen

BERLIN (gvg). Wundverbände aus Faserstoffen, die mit Silberionen versetzt sind, können Bakterien in kontaminierten Wunden in Schach halten. Sie legen sich gut der Wunde an und saugen das Wundexsudat auf wie ein Schwamm.

Die auf der Faser Hydrofiber™ basierenden Wundverbände Aquacel® Ag des Unternehmens ConvaTec verknüpfen die antimikrobielle Wirkung von Silberionen mit einer neuartigen Gewebegestaltung. Diese trägt dazu bei, die Bakterien im Wundbett "einzufangen", wie Dr. Friedhelm Bartels, Medizinischer Direktor beim Unternehmen, sagte.

Das Prinzip: Die kurzen Fasern, bei denen es sich um Carboxymethylcelluloseketten handelt, quellen bei Kontakt mit dem Wundsekret auf und lagern es ein. Es komme dadurch zu einer Gel-Bildung, bei der die Fasern das bis zu 25fache ihres Trockengewichts erreichten, so Bartels auf einer Veranstaltung auf dem Berliner Hauptstadtkongreß.

Diese Gel-Bildung habe im Vergleich zu herkömmlichen Wundverbänden einige Vorteile: Zum einen komme es zu einem besseren Wundabschluß, der die Selbstreinigung der Wunde durch Freßzellen begünstige. Zum anderen reduziere die Gel-Bildung den Wundschmerz, weil die empfindlichen Nervenendigungen in eine feuchte Matrix eingebettet würden, statt frei auszulaufen. Und schließlich begünstige das Gel die bakterizide Wirkung der Silberionen, weil es die Bakterien eng ummantele und den Silberionen so direkt präsentiere.

"Elektronenmikroskopisch läßt sich das sehr gut zeigen", so Bartels. Bereits 60 Minuten nach gezielter bakterieller Kontamination eines gelierten Verbands seien 80 Prozent der Bakterien abgestorben. Dieser Effekt verschwindet nicht, sondern hält an. Deswegen und wegen ihrer hohen Saugkapazität müssen mit Silberionen versetzte Verbände nicht täglich, sondern nur alle drei Tage gewechselt werden. Sie sind dann immer noch feucht und nicht angetrocknet.

Weil die Gel-Bildung einen engen Kontakt zwischen Silberionen und Bakterien sichert, läßt sich der Silberanteil im Verband, verglichen mit dem in anderen silberhaltigen Verbänden, mit nur 1,2 Prozent relativ niedrig halten. Das sei von Vorteil, da nicht genau bekannt sei, was passiere, wenn Wunden mit zuviel Silber in Kontakt kommen, so Bartels.

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