Ärzte Zeitung, 11.04.2007

Große Studie bestätigt: Fischöl schützt das Herz

Rate kardialer Ereignisse um 19 Prozent reduziert / Zusatznutzen trotz Fischkonsums / Studie mit 18 500 Teilnehmern

KOBE (mut). Mit einem Fischöl-Supplement kommt es seltener zu Herzinfarkt und einer instabilen Angina pectoris. Das gilt selbst dann, wenn man bereits schon viel Fisch ist. Darauf deuten Daten einer japanischen Studie mit über 18 500 Teilnehmern.

Japaner essen bekanntlich viel Fisch. Trotzdem ließ sich bei Japanern in der JELIS*-Studie mit täglich 1,8 g Fischöl die - verglichen mit Europäern - ohnehin schon geringe Rate an kardialen Ereignissen um 19 Prozent senken. Das berichten Forscher aus Kobe (Lancet 369, 2007, 1090).

Die Teilnehmer hatten zu Beginn alle zu hohe Cholesterin-Werte (LDL im Schnitt bei 183 mg/dl). Sie wurden 4,6 Jahre lang mit einem Statin oder mit einem Statin plus Fischöl behandelt. Etwa jeder sechste Teilnehmer hatte bereits eine KHK. Primärer Endpunkt war die Rate schwerer kardialer Ereignisse, etwa Herzinfarkt, Herztod oder instabile Angina pectoris.

Im Verlauf der Studie kam es bei 3,5 Prozent der Teilnehmer mit dem Statin alleine und bei 2,8 Prozent der Teilnehmer mit Statin plus Fischöl zu einem solchen Ereignis. Der Unterschied von 19 Prozent war statistisch signifikant. Er beruhte vor allem auf einer geringeren Häufigkeit nicht-tödlicher kardialer Ereignisse, etwa Angina pectoris und Herzinfarkt, in der Fischöl-Gruppe (3,2 versus 2,6 Prozent). Tödliche kardiale Ereignisse traten in der Fischöl-Gruppe ähnlich häufig auf (etwa 0,3 Prozent). Dies sei wenig überraschend schreibt der Kardiologe Professor Dariush Mozaffarian aus Boston in einem Kommentar zur Studie (Lancet 369, 2007, 1062).

So war etwa die Rate für Herztod bei KHK-Patienten in der Kontrollgruppe mit bei 2,5 pro 1000 Patientenjahre schon sehr niedrig, mit Fischöl lag sie bei 2,2 - also kaum niedriger. Zum Vergleich: In der europäischen Fischöl-Präventionsstudie GISSI lag sie bei 17 pro 1000 Patientenjahre in der Kontrollgruppe, mit Fischöl war sie 35 Prozent niedriger. Mozaffarian erklärt dies damit, dass Japaner bereits sehr viel Fisch essen und eine zusätzliche Therapie mit Fischöl zum Statin nur noch einen geringen Zusatznutzen habe. Umso überraschend sei es, dass es in der JELIS-Studie trotz niedriger Ereignisraten insgesamt zu einer deutlichen Reduktion kardialer Ereignisse gekommen ist.

Mozaffarian erklärt dies damit, dass niedrige Dosen von Fischöl vor allem ventrikuläre Arrhythmien verhindern und so einem Herztod vorbeugen. Hohe Dosen der Fischöl-Fettsäuren EPA und DHA hätten zudem eine Triglyzerid-senkende, antihypertensive und anti-entzündliche Wirkung. Dies habe möglicherweise den Zusatznutzen bei nicht-tödlichen Ereignissen bewirkt.

*JELIS: Japan EPA Lipid Intervention Study

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