Forschung und Praxis, 19.12.2005

Statin plus Blutdrucksenker: Es kommt vielleicht auf die Mixtur an

ASCOT-Studie spricht für Vorteile der Kombination Atorvastatin plus Amlodipin

Die für das kardiovaskuläre Risiko ungünstige Koexistenz von Bluthochdruck und Hyperlipidämie ist keine Seltenheit. Bei gleichzeitiger Blutdruck- und Lipidsenkung lassen sich möglicherweise Interaktionen beider Therapien nutzen. Zumindest im Fall von Atorvastatin scheint die Wahl des blutdrucksenkenden Partners Einfluß auf die präventive Wirksamkeit zu haben. So deuten neue Ergebnisse der ASCOT-Studie darauf hin, daß Atorvastatin Koronarereignissen wirksamer vorbeugt, wenn dieses Statin mit einer Amlodipin-basierten Therapie statt mit einem Atenolol-basierten Regime kombiniert wird.

Peter Overbeck

ASCOT-Studienleiter Prof. Peter Sever: Unsere Daten deuten auf eine Interaktion von lipid- und blutdrucksenkender Therapie hin. Foto: Archiv

Bei vielen Patienten, die in hausärztlichen Praxen in Deutschland versorgt werden, besteht eine Risikokonstellation aus Bluthochdruck und Hyperlipidämie. Das belegen unter anderem aktuelle Daten der repräsentativen Querschnittstudie DETECT.

In dieser Studie haben fast 3200 Hausärzte in Deutschland an zwei Stichtagen im September 2003 das Diagnose- und Behandlungsprofil von über 55 000 nicht selektierten Patienten dokumentiert, die an diesen Tagen die Praxis aufsuchten. Bei etwa 7500 Patienten wurde zusätzlich ein Blutabnahme für geplante Laboranalysen vorgenommen, bei denen vor allem die für kardiovaskuläre Erkrankungen relevanten Blutparameter im Fokus standen.

Jeder zweite Hypertoniker hatte auch eine Hyperlipidämie

Der Mehrzahl der Patienten hatte zwei oder mehr kardiovaskuläre Risikofaktoren. Bei jedem zweiten Patienten (49,4 Prozent) wurde eine Dyslipidämie und bei einem noch deutlich höheren Anteil (82,4 Prozent) ein Hypertonus diagnostiziert.

Häufig war die Konstellation aus Bluthochdruck und Hyperlipidämie, die bei nahezu der Hälfte (45,4 Prozent) aller erfaßten Patienten bestand. Neun von zehn Patienten mit Hyperlipidämie hatten gleichzeitig eine Hypertonie. Umgekehrt wurde jeder zweite Hypertoniker auch als hyperlipidämisch identifiziert.

Von allen Patienten mit diagnostiziertem Bluthochdruck wurden 55,1 Prozent mit mindestens einem Antihypertensivum behandelt. In der Risikogruppe der Patienten mit gleichzeitiger Hypertonie und Hyperlipidämie erhielten immerhin 66,3 Prozent mindestens einen Blutdrucksenker und 20,4 Prozent einen Lipidsenker, zumeist ein Statin. Die Rate derjenigen, die sowohl mit Blutdruck- als auch Lipidsenker behandelt wurden, war in dieser Gruppe mit 17,1 Prozent relativ niedrig.

Die aus zwei Studienarmen bestehende ASCOT-Studie ist mit dem Ziel konzipiert worden, Antworten auf zwei zentrale Fragen zugeben:

  • Läßt sich bei Hypertonikern mit mindestens drei weiteren Risikofaktoren die Inzidenz von Koronarereignissen durch Atorvastatin (10 mg / Tag) reduzieren?
  • Läßt sich bei diesen Patienten die Inzidenz von Koronarereignissen mit einer Amlodipin-gestützten Therapie stärker verringern als mit einem Atenolol-basierten Regime?

Beide Studienarme sind aufgrund klarer Vorteile sowohl von Atorvastatin als auch der Amlodipin-gestützten Therapie vorzeitig abgebrochen worden. Nach Aufhebung der Verblindung im Blutdrucksenker-Arm waren die Voraussetzung für eine geplante weitere Analyse gegeben.

Zu klären war die Frage, ob und in welcher Weise es zu Interaktionen zwischen den beiden Blutdrucksenker-Regimen und dem Lipidsenker Atorvastatin gekommen war. Wie sich herausstellte, war der Nutzen von Atorvastatin in der mit Amlodipin als Basis-Antihypertensivum behandelten Gruppe deutlich höher als in der Gruppe mit Atenolol-basierter Therapie.

Risikoreduktion um 53 Prozent durch Atorvastatin / Amlodipin

In Kombination mit der Amlodipin-basierten Bluthochdrucktherapie verringerte Atorvastatin die Rate tödlicher Koronarereignisse und nicht-tödlicher Myokardinfarkte (primärer kombinierter Endpunkt) signifikant um 53 Prozent (im Vergleich zu Amlodipin / Placebo).

Bei gleichzeitiger Atenolol-gestützter Therapie betrug die mit diesem Statin erreichte Reduktion entsprechender KHK-Komplikationen dagegen nur 16 Prozent (im Vergleich zu Atenolol / Placebo) - ein nicht signifikanter Unterschied. Auch im Hinblick auf die Gesamtheit aller registrierten kardiovaskulären Ereignisse und Interventionen war die Reduktion im einen Fall mit 27 Prozent signifikant, im anderen Fall mit 15 Prozent nicht signifikant.

Experimentelle Befunde stützen mögliche synergistische Wirkung

Ein statistischer Test auf Interaktion zwischen Lipid- und Blutdrucksenkung war von "grenzwertiger" (borderline) Signifikanz für den primären kombinierten Endpunkt, berichtete ASCOT-Studienleiter Professor Peter Sever aus London.

Die Möglichkeit, daß sich der beobachtete Unterschied dem Zufall verdankt, ist damit nach seiner Einschätzung streng genommen nicht ganz auszuschließen. Andererseits sieht Sever in Ergebnissen von experimentellen Studien plausible Anhaltspunkte dafür, daß Atorvastatin und Amlodipin in der Tat synergistisch wirksam sind.

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