Ärzte Zeitung, 02.03.2006

Bei erhöhtem Blutdruck auch die Fettwerte kontrollieren!

92 Prozent der Patienten mit Hyperlipidämie haben zusätzlich einen erhöhten Blutdruck / Daten einer Verlaufsstudie in 3800 Hausarztpraxen

BERLIN (grue). Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen kommen oft gemeinsam vor. Das belegt einmal mehr die Praxisstudie DETECT. An dieser Querschnitts- und prospektiven Verlaufsstudie haben über 55 000 Patienten aus 3800 Hausarztpraxen teilgenommen.

Professor Andreas Zeiher aus Frankfurt: Patienten mit Bluthochdruck und Hyperlipidämie werden oft nicht gegen beide Störungen behandelt. Foto: RKC

DETECT steht für Diabetes Cardiovascular Risk Evaluation: Targets and Essential Data for Commitment of Treatment. Die Erhebung ist eine vom Unternehmen Pfizer unterstützte mehrstufige epidemiologische Studie in deutschen Hausarztpraxen. Darin werden kardiovaskuläre Risiken, Arztdiagnosen und medikamentöse Therapien bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfaßt.

Außerdem haben 7500 zufällig ausgewählte Teilnehmer an einer Zwölf-Monats-Verlaufsstudie teilgenommen, der weltweit größten Erhebung dieser Art, wie Professor Andreas Zeiher von der Universität Frankfurt sagte. Bei diesem Kollektiv wurden im September 2003 und im Dezember 2004 zusätzliche Blutuntersuchungen vorgenommen.

Von den 7500 Patienten hatten 82 Prozent eine arterielle Hypertonie, berichtete Zeiher. Jeder zweite Patient erhielt eine Therapie zur Blutdrucksenkung. Fast die Hälfte der Patienten hatte eine Hyperlipidämie, davon bekamen 20 Prozent Lipidsenker.

"Sehr häufig traten Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung gemeinsam auf", sagte Zeiher. Das galt besonders für Patienten mit Hyperlipidämie, die zu 92 Prozent auch hyperton waren. Umgekehrt hatten von den Hypertonikern 55 Prozent zusätzlich erhöhte Blutfettwerte. 45 Prozent der Patienten hatten beide Risikofaktoren, aber nur 17 Prozent wurden auch gegen beide Risiken behandelt.

"Gegen Bluthochdruck wurden ihnen noch relativ häufig Medikamente verordnet, gegen erhöhtes Cholesterin schon seltener, und der Anteil der Patienten, deren kardiovaskuläre Risiken kombiniert behandelt wurde, war sehr gering", so Zeiher. Außerdem wurde ein großer Teil der Patienten mit Hyperlipidämie erst durch die Laboruntersuchungen entdeckt, ebenso 20 Prozent der Diabetiker. Diese Resultate sind für Zeiher ein Hinweis darauf, daß Zucker- und Fettstoffwechselstörungen oft nicht erkannt werden.

"Bei Hypertonikern fehlt häufig der Blick aufs Cholesterin, und Patienten mit Fettstoffwechselstörungen werden zu selten behandelt", faßte der Internist die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen. Mit Statinen wie Atorvastatin (Sortis®) sei bekanntlich eine effektive lipidsenkende Therapie möglich. Diese Medikamente wurden denn auch in der DETECT-Studie Patienten mit Hyperlipidämie am häufigsten verordnet.

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