Ärzte Zeitung, 17.10.2006

Bei Hochdruck und Diabetes raten Experten zum Nierencheck

Erhöhte kardiovaskuläre Ereignisrate schon bei hochnormalen Werten für Kreatinin und Proteinurie / Nephrologen empfehlen frühe Kontrollen

ESSEN (nsi). Bei Patienten mit erhöhtem Blutdruck und einer Glukose-Stoffwechselstörung sollten immer die Proteinurie und der Kreatinin-Wert bestimmt werden. Denn schon bei geringgradigen Nierenfunktionsstörungen sind das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und die Sterberate bei Klinikaufenthalten erhöht.

Viele Nieren-Patienten werden erst weniger als vier Monate vor Beginn der Dialyse einem Nephrologen vorgestellt. Foto: dpa

Außerdem könne mit dem Nierencheck verhindert werden, daß immer mehr Menschen in Deutschland auf die Dialyse angewiesen sind. Diesen Appell haben Nephrologen an ihre hausärztlich tätigen Kollegen beim Nephrologie-Kongreß in Essen gerichtet.

Und: "Der Beginn der Dialyse könnte häufig verzögert oder sogar vermieden werden, wenn Patienten rechtzeitig an einen Nephrologen überwiesen würden", sagte Professor Thomas Philipp vom Universitätsklinikum Essen. Bei einem Kreatinin-Wert von 1,6 mg/dl, der oft noch nicht als dramatisch angesehen werde, betrage die Nierenfunktion nur noch 30 bis 40 Prozent des Normalen.

"Schon bei bei diesem Kreatininwert sollten die Alarmglocken schrillen", sagte Philipp. Bei einem Kreatininwert von 2,5 mg/dl hätten die Patienten im Allgemeinen nur noch eine Restfunktion von 25 Prozent und seien höchstgradig gefährdet. Um 0,3 mg/dl erhöhte Serumkreatininwerte korrelieren schon mit einem drei- bis fünffach erhöhten Sterberisiko und einer Verdoppelung der Krankenhausliegezeit, ergänzte Professor Andreas Kribben von der Universitätsklinik Essen. Die meisten Patienten würden einem Nephrologen erst weniger als vier Monate vor Beginn der Dialyse vorgestellt.

Auch eine als hochnormal geltende Albuminurie (20 bis 29 mg pro Tag) weise auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hin und sei damit ein wichtiger prognostischer Parameter, so die Experten. Im normalen bis hochnormalen Bereich der Albuminurie gebe es eine lineare Korrelation zu der Rate von kardiovaskulären Ereignissen.

STICHWORT

Nierenersatztherapie

Derzeit erhalten in der Bundesrepublik etwa 60 000 Menschen eine permanente Nierenersatztherapie. Die Zahl der Dialysepatienten ist in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen. 94 Prozent der Nierenkranken werden in einem Krankenhaus mit Dialyse-Zentrum behandelt, nur 6 Prozent zu Hause. Zwischen 1991 und 2000 hat die Zahl der Patienten, die wegen Typ-II-Diabetes eine Nierenersatztherapie benötigten, pro Jahr um 12 Prozent zugenommen. Etwa 21 000 Menschen leben zur Zeit mit einer transplantierten Fremdniere. Das belegen die neuen Daten aus dem deutschen Nephrologieregister Quasi-Niere, die beim Nephrologie-Kongreß in Essen vorgestellt worden sind. Die Hauptgründe für die Zunahme der Patientenzahlen lägen darin, daß immer mehr Menschen an Diabetes mellitus und Hypertonie erkranken. 2020 werden nach Schätzungen zwölf Millionen Diabetiker in Deutschland leben, derzeit sind es sechs Millionen. (nsi)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

Immer mehr Nichtraucher erkranken an Lungenkrebs

In US-Kliniken tauchen immer häufiger Nichtraucher mit Lungenkrebs auf, vor allem Frauen sind betroffen. Das könnte am Passivrauchen liegen. mehr »

Wer nicht hören will, den soll die Kita künftig melden

Prävention mit Drohgebärden: Künftig will das Bundesgesundheitsministerium nicht nur mit Bußgeld drohen, sondern auch die Kitas einspannen, um die Verweigerer einer verpflichtenden Impfberatung herauszufischen. mehr »