Ärzte Zeitung, 05.07.2004

Trotz Infarkts bleiben Dicke zu dick

Übergewichtige mit KHK-Komplikationen / Bessere Therapien gefordert

GENT (ner). Als dringend notwendig haben europäische Kardiologen Verbesserungen von therapeutischen Interventionen bei kardiovaskulären Risikopatienten mit Übergewicht oder Adipositas gefordert. Trotz Herzinfarkts nähme kaum jemand ab, viele der Betroffenen legten sogar noch an Gewicht zu.

Das geht aus Befragungen und Untersuchungen von mehr als 5500 Patienten aus der europäischen EUROASPIRE-II-Studie hervor, die etwa ein Jahr zuvor ein koronares Ereignis, etwa einen Herzinfarkt, gehabt hatten, berichten Professor Dirk de Bacquer von der Universität in Gent und seine Kollegen (EHJ 25, 2004, 121). Etwa 80 Prozent der Patienten hatten einen Body Mass Index (BMI) über 25 kg/m2, ein Drittel war adipös (BMI über 30 kg/m2). Bei Frauen war die Adipositas-Prävalenz noch zehn Prozentpunkte höher als bei Männern.

Fast jeder vierte Patient hatte, statt abzunehmen, sogar noch um fünf Kilo oder mehr zugenommen. Gerade einmal acht Prozent der Patienten hatten überhaupt das Gewicht relevant reduzieren können (um mindestens fünf Kilogramm).

Das hatte auch Auswirkungen auf den Blutdruck. Mehr als die Hälfte der übergewichtigen Patienten hatte trotz Therapie einen zu hohen Blutdruck, aber nur 42 Prozent der Normalgewichtigen. Auch der Fettstoffwechsel war bei den Übergewichtigen signifikant schlechter eingestellt. De Bacquer und seine Kollegen fordern multidisziplinäre Interventionsstrategien, die auch die Familie der Patienten einbeziehen müßten.

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