Ärzte Zeitung, 31.08.2004

Klassische Risiken bei fast allen Infarktkranken

INTER-HEART-Studie / Blutfett wichtigster Risikofaktor

MÜNCHEN (Rö). Bis zu 90 Prozent aller Herzinfarkte sind durch die klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren erklärbar, wie die große internationale Fall-Kontroll-Studie INTER-HEART ergeben hat. Die meisten der Daten von den über 15 000 Herzinfarkt-Patienten und 15 000 Kontrollpersonen stammen aus Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem aus China, Südostasien und Südamerika.

Vorgestellt hat die Analyse der Leiter der Studie, Professor Salim Yusuf von der McMaster-Universität in Hamilton in Kanada. Wie er beim Kardiologie-Kongreß in München berichtete, steht an der Spitze der ermittelten Risikofaktoren ein abnormes Verhältnis von Blutfetten, dem Apolipoprotein B zu Apolipoprotein A1. In Deutschland ist es eher üblich, das analoge Verhältnis von LDL-Cholesterin zu HDL-Cholesterin zu betrachten. Mit dem Verhältnis der Blutfette waren in der Studie allein zwei Drittel aller Herzinfarkte zu erklären.

Zweitwichtigster Risikofaktor ist das Zigarettenrauchen, berichtete Yusuf. Dabei habe sich gezeigt, daß schon ein bis fünf Zigaretten pro Tag das Herzinfarkt-Risiko um 35 Prozent steigern.

Als weitere Risikofaktoren wurden ermittelt: Diabetes, hoher Blutdruck, viszerale Adipositas, Streß, ein Zuwenig an täglich verzehrtem Obst und Gemüse sowie Bewegungsmangel. Der regelmäßige Konsum geringer Alkoholmengen war mit einem leicht verringerten Risiko verknüpft. Dies gilt für Männer wie für Frauen und offenbar für viele ethnische Gruppen.

Wie Yusuf betont hat, wurde bisher vielfach angenommen, daß mit den Risikofaktoren nur jeder zweite Herzinfarkt erklärt werden kann. Die INTER-HEART-Studie liefere nun die wissenschaftlichen Grundlagen für nationale und internationale Programme zur Verringerung der inzwischen weltweit häufigsten Todesursache Herzinfarkt. Auch in China steht er inzwischen an erster Stelle der Todesursachen.

Die ausführlichen Studienergeb-nisse sollen am 11. September 2004 in der Zeitschrift "The Lancet" veröffentlicht werden.

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