Ärzte Zeitung, 01.09.2004

Bei Risikopatienten auf HDL-Wert achten!

Anhebung des HDL auf mindestens 40 mg/dl gefordert / Sport und Medikation helfen

MÜNCHEN (gvg). Kardiologen sollten beim Thema KHK-Prävention nicht zu stark auf das LDL-Cholesterin fixiert sein, fordern Präventivmediziner. Auf dem Europäischen Kardiologie-Kongreß machten sie auf die große Bedeutung einer HDL-Anhebung bei Patienten mit Diabetes mellitus oder Übergewicht aufmerksam.

"Mit Statinen, die vor allem auf das LDL-Cholesterin wirken, gelingt eine etwa dreißigprozentige Verringerung des kardiovaskulären Risikos", sagte Professor John Chapman aus Paris. Das sei bei weitem nicht genug. Zusammen mit Kollegen aus ganz Europa hat Chapman deswegen kürzlich ein Positionspapier vorgelegt, in dem eine Anhebung des HDL-Werts auf mindestens 40 Milligramm pro Deziliter gefordert wird.

"Uns geht es dabei nicht nur um jene Patienten, bei denen bereits eine koronare Herzerkrankung besteht, sondern um alle Menschen mit hohem kardiovaskulärem Risiko", so Chapman auf der von dem Darmstädter Unternehmen Merck KGaA unterstützten Veranstaltung. Denn: Eine Anhebung des HDL senke nicht nur das kardiovaskuläre Risiko, sondern führe wahrscheinlich auch dazu, daß sich atherosklerotische Läsionen zurückbildeten.

"Eine Anhebung des HDL-Wertes um fünf bis zehn Milligramm pro Deziliter kann durch eine Veränderung des Lebensstils gelingen, vor allem durch mehr Bewegung", sagte Professor Gerd Assmann von der Universitätsklinik Münster. Die wirksamsten Medikamente zur Steigerung des HDL seien im Moment Nikotinsäurepräparate (zum Beispiel Niaspan®). Unabhängig vom LDL-Wert könne dadurch das kardiovaskuläre Risiko eines Patienten um weitere dreißig Prozent reduziert werden, so der Kardiologe aus Münster.

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