Forschung und Praxis, 06.05.2005

Betablocker sehr früh nach Herzinfarkt? Bei instabilen Patienten besser nicht

Professor Rory Collins: Vor allem in den ersten zwölf Stunden bestand ein erhöhtes Risiko für den kardiogenen Schock. Foto: Bayer

Nach Ergebnissen älterer Studien scheint die früh eingeleitete intravenöse Behandlung mit Betablockern, gefolgt von einer oralen Therapie, beim akuten Myokardinfarkt von Nutzen zu sein. So ganz einig ist man sich in der Bewertung dieser Studiendaten unter den Kardiologen aber nicht.

Entsprechend war die Bereitschaft, die Frühtherapie mit Betablockern beim Infarkt zu nutzen, von Land zu Land sehr unterschiedlich. Eine endgültige Klärung der Frage sollte die COMMIT / CCS-2-Studie herbeiführen. Außer der Wirksamkeit von Clopidogrel wurde in dieser Megastudie bei fast 46 000 Patienten auch der Effekt einer frühen Therapie mit Metoprolol - zunächst intravenös, dann oral verabreicht - beim akuten Myokardinfarkt im Vergleich zu Placebo geprüft.

Tatsächlich wurde durch Metoprolol die Inzidenz von Re-Infarkten in der Phase der stationären Behandlung signifikant um 18 Prozent reduziert (von 2,5 auf 2,0 Prozent). Auch das Risiko für Kammerflimmern konnte signifikant um 17 Prozent gesenkt werden (von 3,0 auf 2,5 Prozent).

Trotz dieser günstigen Effekte war die Sterblichkeit während der stationären Behandlungsphase in der Metoprolol- und Placebogruppe praktisch gleich (7,7 versus 7,8 Prozent). Der Grund: Auf der Negativseite der Betablocker-Therapie schlug eine deutliche Zunahme kardiogener Schocks um 28 Prozent zu Buche (von 3,9 auf 5,0 Prozent), deren Inzidenz nach Angaben von Studienleiter Professor Rory Collins aus Oxford vor allem in den ersten zwölf Stunden erhöht war.

Bei näherer Betrachtung zeigte sich, daß vor allem klinisch instabile Patienten mit Anzeichen für eine eingeschränkte Ventrikelfunktion (Killip-Klasse III) ein deutlich erhöhtes Risiko für diese Komplikation hatten. Bei diesen Patienten, so Collins, sollte zunächst die Zeit bis zur klinischen Stabilisierung abgewartet werden, um dann mit der oralen Betablocker-Therapie zu beginnen. (ob)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »