Ärzte Zeitung, 17.01.2006

Lysetherapie bei Infarkt schon im Notarztwagen

12-Kanal-EKG ist Standard in Rettungsfahrzeugen

BERLIN (sko). Bei der Erstversorgung von Patienten mit akutem Koronarsyndrom ist das 12-Kanal-EKG ein wichtiges Instrument, um einen Infarkt mit ST-Streckenhebung zu erkennen. Das Gerät ist inzwischen Standard in den Rettungswagen, in denen dann bereits mit der Lysetherapie begonnen werden kann.

Die klassische Bezeichnung Herzinfarkt ist inzwischen durch den Ausdruck akutes Koronarsyndrom abgelöst worden. Denn heute werde unterschieden zwischen der instabilen Angina pectoris, dem Myokardinfarkt ohne ST-Streckenhebung (NSTEMI) und mit Anhebung (STEMI).

"Da es sich um einen dynamischen Prozeß handelt, bei dem die Vorgänge ineinander übergehen, hat man den starren Begriff Herzinfarkt verlassen", sagte Privatdozent Andreas Goette von der Uniklinik Magdeburg.

Zwischen diesen beiden Infarktformen zu unterscheiden, sei bekanntermaßen wichtig für die Entscheidung einer Therapie. "Denn nur Patienten mit einem ST-Hebungsinfarkt profitieren von einer Lyse", so Goette bei einer Fortbildungsveranstaltung der Bundesärztekammer in Berlin.

Damit schon Notärzte bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom die richtige Therapie-Entscheidung treffen können, sei inzwischen ein 12-Kanal-EKG Standard in den Rettungswagen, zum Teil sogar schon mit Software zur Auswertung. Das berichtete Dr. Klaus-Gerrit Gerdts, Allgemeinmediziner und Notarzt aus Cuxhaven.

Allerdings sei die Lysetherapie dem Kathetereingriff nur überlegen, wenn sie innerhalb der ersten drei Stunden nach Symptombeginn erfolge, wie Goette noch einmal betonte. Deshalb sei oft die perkutane Koronarintervention (PCI), die noch bis zwölf Stunden nach Symptombeginn indiziert ist, das Mittel der Wahl bei der Versorgung dieser Patienten.

In diesem Zusammenhang erläuterte Goette ein paar Begriffe zu PCI: Von einer primären PCI wird gesprochen, wenn die PCI allein ohne Lysetherapie erfolgt. Schließt sich die PCI unmittelbar an eine Lysebehandlung an, handelt es sich um eine Akut-PCI. Der Eingriff auf Grund einer ineffektiven Lysetherapie wird Rescue-PCI genannt.

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