Ärzte Zeitung, 27.11.2006

Stentthrombose-Gefahr besteht länger als gedacht

Bei Medikamenten-freisetzenden Stents wird eine Antiplättchen-Therapie für wenigstens ein Jahr empfohlen

WIESBADEN (ars). Nach der Implantation von Medikamenten-freisetzenden Stents besteht länger als gedacht die Gefahr von späten Stentthrombosen. Für die Nachsorge ist es deshalb ratsam, die Plättchenhemmung mit ASS und Clopidogrel über mindestens zwölf Monate fortzuführen.

Neue Stents setzen Substanzen frei, die das Gewebewachstum hemmen und so Restenosen vorbeugen. Foto: InnoKardio

Um verengte Koronargefäße langfristig offen zu halten, ziehen Kardiologen immer häufiger Medikamenten-freisetzende Stents (DES, Drug-Eluting-Stents) den unbeschichteten vor. Darüber hat Professor Michael Haude aus Essen beim Internisten Update in Wiesbaden gesprochen. Die Veranstaltung wurde vom Unternehmen Altana unterstützt.

Aus den DES treten Wirkstoffe aus, die das Zellwachstum der Intima hemmen und damit einer Restenose vorbeugen. Bei beiden Arten von Gefäßstützen ist in den ersten vier Wochen während der Einheilung ein Schutz gegen subakute Stentthrombosen mit ASS und Clopidogrel unverzichtbar. Konsens besteht auch darin, daß die Initialdosis von Clopidogrel 600 mg betragen sollte, die tägliche Erhaltungsdosis 75 mg.

Doch gerade bei DES muß die duale Aggregationshemmung wesentlich länger dauern. Selbst sechs Monate sind wohl noch zu kurz, wie aus der randomisierten Studie BASKETLATE hervorgeht. Dabei hatte eine Arbeitsgruppe um Dr. Matthias Pfisterer aus Basel die 746 Teilnehmer noch ein Jahr nach Ende der sechsmonatigen Therapie mit ASS und Clopidogrel beobachtet. Die Kollegen stellten fest: Nach dem Absetzen von Clopidogrel war die Inzidenz von nichttödlichen Myokardinfarkten und Herztoden bei Patienten mit DES deutlich höher als bei Patienten mit reinen Metallstents (4,9 versus 1,3 Prozent).

Diese späten Stentthrombosen entstehen nach Angaben von Haude deshalb, weil DES das Umhüllen des Metalls mit Endothel offenbar verzögern. Dadurch bleibt langfristig ein prothrombotisches Milieu im Koronargefäß erhalten. Patienten mit Stentthrombosen haben einer Studie zufolge eine Sterblichkeitsrate von 45 Prozent. Ein unabhängiger Risikofaktor für subakute und späte Stentthrombosen war ein vorzeitiges Beenden der Antiplättchentherapie.

Allerdings ist Clopidogrel weder für Stent-Implantationen zugelassen, noch ist die optimale Dauer einer Behandlung bei DES bekannt. Haude empfahl - wie auch die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie - die Therapie mindestens ein Jahr beizubehalten. Stünden Maßnahmen mit erhöhtem Blutungsrisiko wie Operationen an, die eine Unterbrechung oder Beendigung der ASS- und Clopidogrel-Therapie erfordern, sollte man von einer DES-Implantation absehen.

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