Ärzte Zeitung, 19.05.2008

Günstige Bilanz für Fondaparinux bei akutem Koronarsyndrom

Niedrige Blutungsrate in den ersten neun Tagen geht mit längerer Lebenszeit einher / Arznei als Standard in aktuelle Leitlinien aufgenommen

MANNHEIM (wst). Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS) ist die Therapie mit Antikoagulantien eine Balance zwischen bestmöglicher Ischämievermeidung und iatrogenem Blutungsrisiko. Der selektive Faktor-Xa-Hemmer Fondaparinux zeichnet sich hier durch eine besonders günstige Nettobilanz aus, die sich auch längerfristig auszahlt.

Belegt wurde dies bei einer großen Patientenzahl in der OASIS 5*-Studie, wie Professor Christian Hamm von der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim auf einem vom Unternehmen GlaxoSmithKline unterstützten Symposium zum Kardiologenkongress in Mannheim erinnert hat. Randomisiert aufgeteilt in zwei Gruppen, haben an OASIS 5 über 20 000 ACS-Patienten mit Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) oder instabiler Angina pectoris teilgenommen.

Die Patienten waren beginnend in den ersten 24 Stunden nach Symptommanifestation im Mittel sechs Tage lang mit einmal täglich 2,5 mg Fondaparinux (Arixtra®) oder gewichtsadaptiert mit zweimal täglich 1 mg/kg Enoxaparin antikoaguliert worden. Beim primären Endpunkt, für den die Ereignisse Tod, Myokardinfarkt und refraktäre Ischämie innerhalb der ersten neun Tage zusammengefasst worden waren, fand sich mit Ereignisraten von 5,8 versus 5,7 Prozent kein Unterschied zischen Fondaparinux und Enoxaparin.

Schwerwiegende Blutungen waren allerdings mit dem selektiven Faktor Xa-Hemmer bei einer Häufigkeit von 2,2 versus 4,1 Prozent nahezu halbiert, das sind 48 Prozent weniger. Diese reduzierte Blutungsrate in den ersten neun Tagen war assoziiert mit einem signifikant besseren Langzeitergebnis in der Fondaparinux-Gruppe. So betrug die 30-Tages-Mortalität hier 2,9 Prozent, unter Enoxaparin dagegen 3,5 Prozent. Das bedeutet 17 Prozent weniger.

Auch zum Ende der Studie nach sechs Monaten hatten die Patienten, die initial Fondaparinux anstelle von Enoxaparin bekommen hatten, offensichtlich signifikant bessere Karten: Die Häufigkeiten einzelner Ereignisse oder Ereigniskombinationen stellten sich nach einem halben Jahr in der Fondaparinux- und der Enoxaparin-Gruppe so dar: Tod 5,8 versus 6,5 Prozent, Herzinfarkt 6,3 versus 6,6 Prozent (nicht signifikant), Schlaganfall 1,3 versus 1,7 Prozent, Tod, Herzinfarkt oder refraktäre Ischämie 12,3 versus 13,2 Prozent.

Wie bereits berichtet, haben die Ergebnisse in OASIS 5 die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) bewogen, in ihren 2007 aktualisierten Leitlinien zur Intervention beim akuten Koronarsyndrom ohne ST-Segment-Hebung Fondaparinux als Standardmedikation des höchsten Empfehlungs- und Evidenzgrades einzustufen.

OASIS 5 bedeutet: 5th Organization to Assess Strategies in Ischemic Syndromes

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