Ärzte Zeitung, 31.03.2009

Kurze Ischämien trainieren das Herzgewebe

Eine Art "Ischämie-Training" scheint das Herzgewebe resistenter gegen ischämisch bedingte Schädigungen zu machen. Bei sich entwickelndem Myokardinfarkt können so möglicherweise mehr Herzmuskelzellen vor dem Untergang bewahrt werden.

Von Peter Overbeck

Intermitterendes Aufblasen einer Manschette - eine Methode zum Herzschutz.

Foto: Monkey Business@fotolia.de

ORLANDO. Das Phänomen ist schon länger bekannt: KHK-Patienten, bei denen Ischämie-Episoden zuvor häufig auftraten, überstehen einen Myokardinfarkt meist besser als Patienten, bei denen der Infarkt "aus heiterem Himmel" kommt. Experten sprechen von "ischämischer Präkonditionierung": Wiederholte kurze Ischämien scheinen auf irgendeine Weise eine kardioprotektive Wirkung zu haben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Ischämien nicht unbedingt kardialer Natur sein müssen - auch in anderen Organen oder Geweben ausgelöste Ischämien bieten offenbar einen gewissen kardialen Schutz, was Experten als "heterotope ischämische Präkonditionierung" (remote ischemic preconditioning) bezeichnen.

Eine dänische Forschergruppe um Dr. Hans Erik Br¢ker aus Aarhus hat dieses Konzept jetzt in einer Studie bei 246 Patienten mit Verdacht auf akuten Myokardinfarkt unter Praxisbedingungen getestet. Bereits auf dem Transport zur Koronarintervention in der Klinik nahmen die Ärzte die "Präkonditionierung" in Angriff: Insgesamt viermal drosselten sie je fünf Minuten lang durch Aufblasen einer Manschette die Blutzufuhr im Arm der Patienten.

Um den Anteil an "gerettetem" Myokard zu ermitteln, wurde schon in der ersten Stunden per Perfusionsmessung das ischämische Myokardareal (area at risc) erfasst, das dann ins Verhältnis zur endgültigen Infarktgröße nach 30 Tagen gesetzt wurde. Die Analyse ergab, dass bei Patienten mit zuvor induzierten Ischämien signifikant weniger Herzgewebe verloren gegangen war als bei Kontrollpatienten. Dieser positive Effekt kam vor allem bei schweren Vorderwandinfarkten zur Geltung, berichtete Br¢ker beim US-Herzkongress in Orlando in Florida.

Nach seiner Ansicht ist die repetitive Ischämieinduktion eine einfache Maßnahme mit Potenzial zur Verbesserung der Prognose. Das muss nun in Phase-III-Studien verifiziert werden.

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