Ärzte Zeitung, 18.04.2007

Kardioversion bei Vorhofflimmern: Schutz mit modernem Heparin

Certoparin ist wegen der Therapie mit einer Fixdosierung einfach anzuwenden

WIESBADEN (nsi). Vorhofflimmern ist die häufigste behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörung. Jeder Hausarzt hat Patienten mit dieser Erkrankung. Der ischämische Schlaganfall, hervorgerufen durch intrakardiale Thromben, ist eine gefürchtete Komplikation des Vorhofflimmerns.

Bei jedem dritten Patienten mit Schlaganfall wird Vorhofflimmern als Ursache vermutet. Foto: Sartor, Heidelberg

"Bei jedem dritten Schlaganfall wird Vorhofflimmern als Ursache vermutet", sagte Professor Ulrich Tebbe vom Klinikum Lippe in Detmold. Eine Kardioversion müsse unter bei gutem Thromboseschutz erfolgen. Dieser lasse sich mit der subkutanen Therapie mit einem niedermolekularen Heparin (NMH) effektiv und sicher erzielen.

"Eine wichtige Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Thromboseprophylaxe ist, dass wir mit dem niedermolekularen Heparin Certoparin jetzt ein Medikament zur Verfügung haben, das in fixer Dosierung gegeben wird und damit einfach anwendbar ist", sagte Tebbe bei der von dem Unternehmen Novartis unterstützten Veranstaltung. Dass sich das Medikament bei der Gratwanderung zwischen effektivem Thromboseschutz und Blutungsrisiken bewähre, belegten die Daten der AFFECT-Studie (Atrial Fibrillation Feasibility Certoparin Trial). In der offenen, multizentrischen Untersuchung sollten Sicherheit und Machbarkeit einer kurzzeitigen Antikoagulation mit dem NMH Certoparin (Mono-Embolex) geprüft werden.

200 Patienten mit Vorhofflimmern wurden in die Studie aufgenommen. Sie erhielten 8000 IE anti-Xa Certoparin zwei Mal täglich für durchschnittlich sieben Tage. Bestand die Herzrhythmusstörung kürzer als 48 Stunden, folgte rasch darauf die elektrische Kardioversion. Bei länger als 48 Stunden dauerndem Vorhofflimmern wurde auf intrakardiale Thrombenbildung mit transösophagealer Echokardiographie untersucht. Fand sich kein Thrombus, folgte die Kardioversion. Nach der Rhythmisierung erhielten die Patienten überlappend eine orale Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten.

Die Defibrillation war bei 86 Prozent von 120 Patienten, die letztlich kardiovertiert wurden, erfolgreich. In der Gesamtgruppe, die Certoparin erhielt, trat nur ein Schlaganfall auf (0,5 Prozent von 200 Patienten), und zwar bei einer nicht kardiovertierten Frau. Ein Zusammenhang zu Certoparin sei fraglich, sagte Tebbe. Bei acht Patienten (vier Prozent) kam es zu nicht tödlichen Blutungen (drei schwere, fünf leichte). "Certoparin muss in Bezug auf Effektivität und Sicherheit den Vergleich mit anderen NMH wie Enoxaparin und unfraktionierten Heparinen oder Phenprocoumon nicht scheuen", so Tebbes Fazit. Bei Certoparin müsse in der Regel die Gerinnung nicht kontrolliert werden und es sei wegen seiner körpergewichtsunabhängigen Dosierung einfach und auch ambulant anwendbar.

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