Ärzte Zeitung, 16.02.2004

Bald neue Daten zu Clopidogrel plus ASS

Schlaganfall-Prävention bei Hochrisiko-Patienten

BERLIN (gvg). In der Sekundärprophylaxe nach Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke (TIA) ist die Hemmung der Plättchenaggregation feste Bestandteil. Bisherigen Daten zufolge scheint dabei Clopidogrel der Acetylsalicylsäure (ASS) überlegen zu sein. Viele Neurologen setzen auf die Kombination beider Therapien und erwarten mit Spannung die Ergebnisse zweier Großstudien.

Eine Metaanalyse, die auch den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zugrunde- liegt, beziffert die Senkung des relativen Risikos, ein zerebrovaskuläres Ereignis zu haben, durch ASS dosisunabhängig auf etwa 13 Prozent, hat Professor Hans-Christoph Diener vom Universitätsklinikum Essen bei einer Veranstaltung in Berlin berichtet.

Es gebe bereits jetzt die Empfehlung, Clopidogrel statt ASS in der Sekundärprävention nach einem Schlaganfall oder einer TIA zu verwenden, wenn ein Patient zusätzlich atherosklerotische Gefäßerkrankungen des Herzens oder der Beine hat, so Diener bei der Verleihung des Robert Koch-Awards 2004 an das Unternehmen Sanofi-Synthelabo. Das Unternehmen wurde für den Adenosindiphosphat-Hemmer Clopidogrel, den es als Plavix® anbietet, geehrt (wir berichteten).

Der Empfehlung zugrunde liegen die günstigen Ergebnisse von Subanalysen der CAPRIE-Studie, in der das Potential von Clopidogrel, kardiovaskuläre Ereignisse aller Art zu verhindern, untersucht worden war.

In der MATCH-Studie ist nun untersucht worden, ob die kombinierte Therapie Clopidogrel plus ASS nach einem zerebrovaskulären Ereignis im Vergleich mit Clopidogrel plus Placebo mehr zerebrovaskuläre Ereignisse verhindert.

Insgesamt haben 7600 Hochrisikopatienten mit starker Atherosklerose teilgenommen, die bereits innerhalb von drei Monaten vor Studienbeginn eine TIA oder einen Schlaganfall erlitten hatten. Wie Diener mitteilte, werden beim Europäischen Schlaganfallkongreß (European Stroke Conference) in Mannheim, der vom 12. bis 15. Mai 2004 stattfinden wird, die Ergebnisse der MATCH-Studie präsentiert.

Ebenfalls noch in diesem Jahr erwartet werden die Ergebnisse der CHARISMA-Studie, in der bei mehr als 15 000 Patienten mit geringem vaskulärem Risiko die kombinierte Therapie von Clopidogrel und ASS mit ASS allein verglichen wird. Die CHARISMA-Studie hat auch einen Arm, in dem die Kombinationstherapie der beiden Medikamente in der Primärprävention untersucht wird.

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