Ärzte Zeitung, 03.08.2004

Schlaganfall-Patienten mit gelähmten Beinen brauchen Thromboseschutz

Niedermolekulares Heparin ist mindestens ebenso wirksam wie unfraktioniertes

BERLIN (grue). Bis zu 70 Prozent der Patienten mit ischämischem Schlaganfall und Lähmungen in den Beinen bekommen eine tiefe Beinvenenthrombose. Eine Heparintherapie für zehn Tage kann davor schützen.

Zur Prophylaxe tiefer Beinvenenthrombosen sind niedermolekulare Heparine mindestens so wirksam wie unfraktioniertes Heparin. Das sagte Professor Hans-Christoph Diener von der Universität Essen in Berlin. Belegt wurde das unter anderem in einer Doppelblindstudie mit Enoxaparin (Clexane®).

Bei insgesamt 212 Patienten mit Schlaganfall und Beinparese wurde das niedermolekulare Heparin in einer Dosis von 40 mg s.c. einmal täglich im Vergleich zu unfraktioniertem Heparin 5000 IE s.c. dreimal täglich geprüft. Die Behandlung begann spätestens zwei Tage nach dem Schlaganfall und wurde für zehn Tage fortgesetzt.

Wie Diener bei einer Veranstaltung des Unternehmens Aventis berichtet hat, bekamen in der Enoxaparin-Gruppe 18 Prozent der Patienten eine tiefe Beinvenenthrombose und in der Vergleichsgruppe 25 Prozent. Lungenembolien traten bei 1,8 Prozent mit Enoxaparin und bei 3,8 Prozent mit unfraktioniertem Heparin auf. Blutungen waren mit unter vier Prozent selten und in beiden Gruppen gleich häufig, sagte Diener.

"Obwohl größere Studien fehlen, sind niedermolekulare Heparine wahrscheinlich wirksame Medikamente zur Thromboseprophylaxe bei Patienten mit Schlaganfall und Beinparese", so Diener. Das bestätige auch eine ähnlich konzipierte Studie mit dem niedermolekularen Heparin Tinzaparin.

Diener wies darauf hin, daß Heparin, gleich ob unfraktioniert oder niedermolekular, nicht vor einem weiteren Schlaganfall schützt. "Diese Substanzen eigenen sich für die Thromboseprophylaxe, aber nicht für die frühe Sekundärprävention ischämischer Schlaganfälle", so Diener.

Sechs Studien mit subkutanem Heparin in zwei Dosierungen, mit verschiedenen niedermolekularen Heparinen und mit Heparinoiden brachten den Schlaganfallpatienten bezüglich einer Prophylaxe weiterer solcher Ereignisse keine Vorteile im Vergleich zu Acetylsalicylsäure.

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