Ärzte Zeitung, 30.05.2005

25. Mai soll künftig internationaler Tag des Schlaganfalls werden

Internationale Schlaganfall-Gesellschaft: Bei Symptomen wird zu oft zu spät reagiert

Würden Apoplexie-Symptome richtig gedeutet und Betroffene unverzüglich in eine Klinik eingewiesen, die für Diagnostik und Therapie bei Schlaganfall qualifiziert ist, könnte die Zahl der Menschen mit schweren Folgen des Hirninfarkts (Tod und Invalidität) stark verringert werden, in Deutschland vermutlich um 50 Prozent. Auch bei schwächer ausgeprägten Symptomen sollte sofort eine stationäre Aufnahme veranlaßt werden.

Auf den Rollstuhl angewiesen zu sein: Dauerhafte Beeinträchtigungen wie diese sind eine häufige Schlaganfall-Folge. Foto: PhotoDisc

Von Nicola Siegmund-Schultze

Diesen Appell hat die International Stroke Society bei der 14. Europäischen Schlaganfall-Konferenz in Bologna an die Öffentlichkeit gerichtet, und dabei erneut an die typischen Schlaganfall-Symptome erinnert: Plötzliche Schwäche oder Taubheit der Extremitäten, meist einseitig, Probleme mit dem Sprechen oder dem Verstehen von Sprache, Sehstörungen, Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht oder der Bewegungskoordination, unerklärlich starke Kopfschmerzen - bei 80 Prozent der Schlaganfall-Patienten treten zwei oder drei dieser Symptome gemeinsam auf.

Der 25. Mai soll künftig internationaler Schlaganfall-Tag werden. Denn weltweit sterben jährlich fünf Millionen Menschen am Schlaganfall, weitere fünf Millionen werden invalide. In Europa erleiden vier Millionen Menschen pro Jahr einen Hirninfarkt, jeder dritte stirbt daran, und ein weiteres Drittel bleibt dauerhaft beeinträchtigt. Das wurde bei einer Pressekonferenz der Gesellschaft berichtet, zu der das Unternehmen Sanofi-Aventis, das die Initiative mit unterstützt, eingeladen hatte.

15 bis 20 Prozent der Menschen mit einer Hirnattacke bekommen in den darauffolgenden zwei Wochen einen Schlaganfall, unabhängig davon, ob das erste Ereignis eine transiente ischämische Attacke (vollständige Rückbildung der Symptome innerhalb von 24 Stunden) gewesen ist oder ein Schlaganfall mit länger dauernder Symptomatik, sagte Professor Michael Hennerici vom Klinikum Mannheim.

MRT-Aufnahme eines Patienten mit ischämischen Insult in der linken Hemisphäre. Foto: K. Sartor

Der Begriff der transienten ischämischen Attacke, kurz TIA, suggeriere, daß sie weniger gefährlich als ein Hirninfarkt sei, aber das sei falsch, so Hennerici. Erstens ließen sich Schwere und Dauer der Hirnattacke immer erst rückwirkend beurteilen, und zweitens folge auf eine TIA genauso oft ein Hirninfarkt wie auf einen vorangegangenen Schlaganfall.

Professor Werner Hacke von der Universität Heidelberg ergänzte: "Die Symptome einer TIA verschwinden schneller als bei einem Schlaganfall, aber die Gefahr, die von ihr ausgeht, ist dieselbe." Bei jüngeren Menschen schließe die Umwelt oft vorschnell einen Hirninfarkt als Ursache für die Symptome aus. Bei älteren Menschen würden vor allem milder ausgeprägte Zeichen eines Hirninfarkts auf andere Erkrankungen zurückgeführt oder als "Schlägle" verharmlost.

In Deutschland hat die Deutsche Schlaganfall-Hilfe schon vor einigen Jahren den 10. Mai zum "Tag gegen den Schlaganfall" deklariert (wir berichteten).

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