Ärzte Zeitung, 20.04.2007

Thrombose-Prophylaxe - wer, wann, wie lange?

Tipps zur Vorbeugung / Bei niereninsuffizienten Patienten auf Blutungsgefahr durch Kumulation achten!

WIESBADEN (cin). Bis zu 75 Prozent der Patienten mit Schlaganfall bekommen nach dem Ereignis eine Thrombose. "Bei einem oder mehr Risikofaktoren ist eine Thrombose-Prophylaxe etwa mit niedermolekularen Heparinen sinnvoll", sagte Professor Viola Hach-Wunderle beim Internistenkongress in Wiesbaden.

Bei einem Symposium gab die Internistin vom Krankenhaus Nordwest in Frankfurt am Main einige Tipps, welche Patienten zu welchem Zeitpunkt eine Thrombose-Prophylaxe erhalten sollen. Zudem berichtete Hach-Wunderle, wie lange und welche Maßnahmen sie für sinnvoll hält:

  • Wer?

Patienten, die einen oder mehr dispositionelle Risikofaktoren haben, sollten eine Thrombose-Prophylaxe erhalten. Zu den Risikofaktoren zählen etwa hohes Lebensalter, eine schwere Thrombophilie, venöse Thromboembolien in der Familienanamnese oder ein Malignom.

  • Wann?

Patienten mit expositionellen Risikofaktoren wie ischämischer Apoplexie mit Paresen, schwerem Herzinfarkt oder akuten entzündlichen Erkrankungen mit Bettlägerigkeit und Immobilisation, sollten nach der Exposition eine Prophylaxe erhalten.

  • Womit?

Medikamentös eignen sich niedermolekulare Heparine, etwa Enoxaparin, Dalteparin oder Fondaparin. Auch unfraktionierte Heparine können gegeben werden, jedoch gibt Hach-Wunderle zu bedenken, dass die dreimal tägliche Gabe von mindestens 5000 I.E. aufwändig sein kann. Als physikalische Prophylaxe eignen sich - besonders bei Verdacht auf Blutungsgefahr - etwa medizinische Thrombosestrümpfe. Studien haben nach Angaben der Internistin ergeben, dass mit der Prophylaxe das Thromboserisiko von zehn auf null Prozent reduziert werden kann.

"Bei niereninsuffizienten Patienten, ist immer an die Gefahr der Kumulation zu denken", erinnerte Hach-Wunderle. So kann es etwa bei Betroffenen, die kurze Zeit nach Beginn der Prophylaxe eine Blutung haben, zur Kumulation gekommen sein. Sie empfiehlt bei Verdacht - etwa ab Kreatininwerten von 2mg/dl -vier Stunden nach Injektion die Anti-Xa-Aktivität zu bestimmen. Zielwerte liegen bei venöser Thrombembolie-Prophylaxe bei 0,1 bis 0,2 Anti-Xa/ml. Die Kontrolle kann nach einer Woche wiederholt und die Dosis dann angepasst werden. "Auch gilt: Je größer das Molekulargewicht des Heparins, desto höher die Kumulationsgefahr", so Hach-Wunderle.

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