Thrombose/Schlaganfall

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Ärzte Zeitung, 18.04.2008

Arznei reduziert Schlaganfall-Spastik

Verbesserte Alltagsmobilität nach zwölfwöchiger Therapie mit Tolperison / Studie mit 120 Schlaganfall-Patienten

WIESBADEN (sh). Spastische Lähmungen nach einem Schlaganfall lassen sich mit dem Muskelrelaxans Tolperison deutlich lindern. Das hat eine Studie bei 120 Patienten ergeben, die nach einem Schlaganfall eine Extremitäten-Spastik hatten.

Die Teilnehmer der Studie hatten im Mittel seit 3,3 Jahren eine Spastik. Das hat Professor Michael Schwarz aus Dortmund beim Internisten-Kongress berichtet. Die Patienten hatten in einer betroffenen Gelenkregion Symptome von mindestens zwei Punkten (mäßige Tonuserhöhung) auf der Vier-Punkte-Ashworth-Skala. Sie erhielten zwölf Wochen lang täglich 300 bis 900 mg Tolperison (Viveo®) oder Placebo, so Schwarz auf einer Veranstaltung des Unternehmens Orion Pharma in Wiesbaden.

Untersucht wurde der Grad der Spastik in der am schwersten betroffenen Gelenkregion nach Behandlung mit der individuellen Optimaldosis. Bereits nach einer vierwöchigen Tolperison-Therapie sank der Muskeltonus signifikant. Bei einem mittleren Ausgangswert von 3 Punkten auf der Ashworth-Skala kam es in der Tolperison-Gruppe im Mittel zu einer Abnahme von 1 Punkt, in der Placebogruppe dagegen nur von 0,5 Punkten. Auch die Alltags-Mobilität der Patienten hatte sich verbessert.

Die Therapie mit Tolperison wurde zudem gut vertragen. Es wurden keine unerwünschten Wirkungen wie Sedierung, Müdigkeit oder Schwäche beobachtet. Im Vergleich zu ausschließlich zentral wirksamen Muskelrelaxanzien habe Tolperison deshalb den Vorteil, dass die Patienten nicht müde werden, so Schwarz.

STICHWORT

Spastik

Spastik ist ein durch Dehnungsreize ausgelöster Anstieg der Eigenspannung der Skelettmuskulatur. Oft liegt eine Mischung aus spastischen und dystonen Anteilen vor. In Deutschland sind etwa 200 000 Menschen davon betroffen. Als häufigste Ursachen gelten MS und Schlaganfall sowie frühkindliche Hirnschädigungen, eine Enzephalitis oder Hirntumoren. Als Folge einer Spastik können fixierte Kontrakturen, Osteoporose, Dekubitus, Thrombophlebitis, Atemwegsinfektionen, kardiovaskuläre Störungen oder Blasen- und Darmprobleme auftreten. Eine Physio- oder Ergotherapie ist bei Spastik meistens angezeigt. Zudem können die Patienten medikamentös etwa mit Muskelrelaxanzien oder Botulinumtoxin behandelt werden.

(Sh)

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