Ärzte Zeitung, 02.02.2009

Gute Antikoagulation bleibt Ausnahme

Mindest-INR von 2,0 erreichten in Untersuchung nur die wenigsten Patienten mit Vorhofflimmern

BERLIN (gvg). Patienten mit Vorhofflimmern erhalten viel zu selten eine orale Antikoagulation. Selbst nach einem Schlaganfall sind die Therapiequoten in Deutschland wie auch international nicht rosig. Die Ärmel hochkrempeln sollten sowohl Niedergelassene als auch Klinikärzte.

Nicht nur eine gute EKG-Überwachung, auch eine gute Antikoagulation ist bei Patienten mit Vorhofflimmern nötig.

Foto: Andrea Danti©www.fotolia.de

Bei einer Vorab-Veranstaltung zum Internistenkongress in Wiesbaden präsentierte der Neurologe Professor Martin Grond vom Kreisklinikum Siegen aktuelle Daten zur Antikoagulation und zu Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern. Schlaganfall ist eines der Schwerpunktthemen des interdisziplinär ausgerichteten DGIM-Kongress im April.

Bei der von Grond vorgestellten Untersuchung wurde analysiert, wie viele Patienten mit Schlaganfall und mit Vorhofflimmern bei der Klinikaufnahme adäquat antikoaguliert waren. Berücksichtigt wurden nur Patienten, die gemäß aktuellen Empfehlungen zum Vorhofflimmern ein hohes Schlaganfallrisiko haben, also zum Beispiel keine jungen Patienten ohne kardiovaskuläre Risikofaktoren.

Das Resultat der Studie war erschreckend: Zwar hatten vier von zehn Schlaganfall-Patienten mit Vorhofflimmern und hohem Risiko auf den Papieren eine Cumarintherapie stehen. Die für die Schlaganfall-Prävention anzustrebende Mindest-INR von 2,0 erreichte aber gerade einmal jeder zehnte Patient. "Bei den Patienten, die in der Anamnese schon einen Schlaganfall oder eine TIA hatten, waren es auch nur 18 Prozent", so Grond, der auch 2. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft DSG ist. Die aktuelle Studie wurde in zwölf Schlaganfall-Zentren in Kanada gemacht. In Deutschland sei die Situation aber ähnlich, so Grond. Gründe für die Zurückhaltung seien unter anderem Ablehnung durch den Patienten, Complianceprobleme und Zurückhaltung der Ärzte wegen Sturzgefahr gewesen.

Als Schelte für Niedergelassene wollte Grond sein Plädoyer für mehr orale Antikoagulation explizit nicht verstanden wissen. So gebe es auch wenig rühmliche Daten aus dem Klinikbereich. Eine im vergangenen Jahr publizierte Studie aus Essen hat beispielsweise gezeigt, dass bei 1017 von 1463 Patienten mit Schlaganfall und Vorhofflimmern bei Entlassung aus der Klinik noch keine orale Antikoagulation begonnen worden war. 124 dieser Patienten wurden dann ambulant auf Cumarine eingestellt.

Infos zum Internistenkongress 2009: www.dgim2009.de

[27.03.2009, 19:42:07]
Dr. Olga Potuzhek 
Coagocheck
Dieses Gerät von der Firma ROCHE ist handlich,nach einer minimalen Einschulung-man kann es auch selst laut Beschreibung lernen-hat man in 2 Minuten den Korekten INR Wert. Eine Anregung für alle Patienten unter Marcoumartherapie zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »

Ein Wettbewerbsverbot ohne Entschädigung ist ungültig

Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung? Das geht nicht, urteilt das Bundesarbeitsgericht. Ist das im Arbeitsvertrag dennoch so vorgesehen, können Arbeitnehmer nachträglich aber kein Geld einklagen. mehr »