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Mukotympanon bei Kindern - die Therapie bleibt umstritten

Operation oder topische Steroide? Das ist bei Tubenbelüftungsstörungen die Frage!

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

Kinder mit Tubenbelüftungsstörungen wurden in Deutschland jahrzehntelang operiert. Unter angloamerikanischem Einfluss geht diese Therapie derzeit zurück. Echte Alternativen fehlen allerdings noch.

Tubenbelüftungsstörungen führen zu einer Resorption von Luft in der Paukenhöhle. Das stellt einen Sekretionsreiz für die Schleimhaut des Mittelohrs dar. Daraus resultiert ein Sero- oder Mukotympanon, das zu einer Mittelohrschwerhörigkeit mit Verzögerungen der Sprachentwicklung, teilweise auch zu Störungen im Gleichgewichtsorgan führen kann.

"In Europa neigten wir bisher zu der Ansicht, dass eine mechanische Verlegung der Tubenostien durch eine Rachenmandelhyperplasie die Ursache der Probleme ist", sagte Professor Heinrich Iro von der Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Universitätsklinikum Erlangen. Entsprechend wurde die Indikation zur Entfernung der Rachenmandel bei Kindern ("Polypenentfernung") relativ großzügig gestellt. Liegt bereits ein Seromukotympanon vor, wird zusätzlich in der Regel beidseitig eine Parazentese vorgenommen und temporär ein Paukenröhrchen eingesetzt.

"Seit kurzem wird jetzt die topische Anwendung von Kortikosteroiden als Behandlungsalternative proklamiert", berichtete Iro. Zum Einsatz kommen dabei nasale Steroide. Die neue Therapie geht mit einem etwas anderen pathophysiologischen Konzept einher. Statt einer mechanischen Verlegung der Tuben wird eine genuine Mittelohrerkrankung postuliert.

Adenotomie oft trotz Steroiden nötig.

Iro präsentierte beim Praxis Update die Ergebnisse eines neuen Cochrane-Reviews. Fünf Studien wurden berücksichtigt, in denen insgesamt 349 Kinder mit moderater bis schwerer Rachenmandelhyperplasie mit Beclomethason, Mometason oder Flunisolid intranasal behandelt wurden.

In vier der fünf Studien fanden sich eine Verbesserung der nasalen Obstruktion und eine Abnahme des Volumens der Rachenmandel. Eine Metaanalyse im engeren Sinne war nicht möglich, weil die Qualität der Studien nicht ausreichte. Mittlerweile gibt es zumindest eine weitere Studie aus Italien mit ähnlichem Ergebnis.

Alle Probleme gelöst werden durch die Behandlung mit topischen Steroiden freilich nicht. Iro wies in Berlin darauf hin, dass in den beiden Studien mit langfristiger Nachbeobachtung die Rate der Adenotomien, die trotz einer topischen Steroidtherapie vorgenommen werden mussten, mehr als 50 Prozent betrug.

Anders ausgedrückt: Auch bei vielen Patienten, bei denen sich die nasale Obstruktion besserte, war der Effekt offenbar nicht ausgeprägt genug, um es bei konservativen Maßnahmen belassen zu können.

Iro beurteilt die neue Therapie aus diesem Grund zurückhaltend. "Wir müssen abwarten, wie sich das entwickelt. Ein Punkt, auf den man in diesem Zusammenhang hinweisen sollte, ist, dass in Deutschland derzeit kein einziges nasales Steroid für diese Indikation zugelassen ist", so Iro.

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