Ärzte Zeitung, 29.04.2009

Verdacht auf M. Cushing? Blick auf Haut und Muskeln kann ihn erhärten

Die Symptome eines Hyperkortisolismus sind unspezifisch. Trotzdem gibt es Tipps, womit die Diagnose erleichtert wird.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Bei einem Verdacht auf Cushing sollte man die Patienten in die Hocke gehen lassen, empfahl Professor Bruno Allolio von der Universitätsklinik Würzburg. Denn kommen sie alleine nicht mehr hoch, könnte das Zeichen einer kortisolinduzierten Myopathie sein.

Hypertonie, Diabetes und Depressionen sind typisch

Problem bei der Cushing-Diagnostik ist, dass die bekannten Symptome von der Gewichtszunahme über Hypertonie bis zu Diabetes und Depressivität zwar typisch, aber unspezifisch sind. "Das gibt es alles auch beim metabolischen Syndrom oder bei polyzystischen Ovarien", sagte Allolio.

Mit der proximal betonten Myopathie ist das anders: "Die tritt zwar nicht bei vielen Cushing-Patienten auf, aber wenn sie auftritt, ist sie sehr spezifisch", sagte Allolio in Berlin. Die Kombination aus unspezifischen Cushing-Symptomen und pathologischem Hock-Test sollte deswegen auf jeden Fall ein Laborscreening nach sich ziehen, wenn nicht andere Probleme wie etwa Knieschmerzen das Aufstehen aus der Hocke verhindern.

Hautsymptome sind Atrophien und Blutungen

Auch der etwas genauere Blick auf die Haut hilft beim Cushing-Verdacht weiter: "Akne und Hirsutismus sind zwar sehr typisch, aber das gibt es beides auch bei vielen Patienten ohne Cushing-Syndrom. Sehr viel aussagekräftiger mit Blick auf den Hyperkortisolismus sind Hautatrophien und flächenhafte Einblutungen der Haut", sagte Allolio.

Die immer wieder gern als Auslöser für eine laborchemische Cushing-Diagnostik angeführten Striae seien dagegen nur dann verdächtig, wenn sie breit und stark livide sind. "Ihren Daumen müssen Sie da schon unterbringen können, sonst zählt es nicht", sagte Allolio.

Besteht der dringende klinische Verdacht auf einen Hyperkortisolismus, dann sollte der Hausarzt auf jeden Fall zwei Screening-Tests machen. Zur Auswahl stehen die Bestimmung des freien Kortisols im 24-Stunden-Urin, der Dexamethason-Kurztest und die Bestimmung des Speichelkortisols.

Ratsam ist, zwei Tests machen zu lassen

Beim Dexamethason-Kurztest müssen die Patienten 1mg Dexamethason oral um 23 Uhr einnehmen. Die Blutentnahme erfolgt dann am nächsten Tag zwischen 8 und 9 Uhr.

Beim Speicheltest erhalten die Patienten ein Teströhrchen mit nach Hause, in welchem sie ebenfalls kurz vor Mitternacht Speichel sammeln. Am nächsten Morgen geht es dann ins Labor. Sowohl der Speicheltest als auch die Urinbestimmung müssen doppelt gemacht werden. "Sparen kann man sich die einfache Kortisol-Bestimmung im Plasma. Das bringt nichts", so Allolio.

Lesen Sie dazu auch:
"Effektiv, nicht aggressiv gegen Typ-2-Diabetes!"
Bei Rheuma ist Rauchen besonders schädlich
Neue Strategie bei Typ-2-Diabetes: IL-1-Blockade
Wieviel Kalzium bei Osteoporose?
Mukotympanon bei Kindern - die Therapie bleibt umstritten
Einfaches Schema zur Diagnose bei Schilddrüsenknoten
MTX-Therapie soll in wöchentlichen Abständen erfolgen
Keine Scheu vorm Impfen bei Rheuma-Patienten!
Polymyalgia rheumatica: wann ist Biopsie nötig?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »